Beiträge mit dem Schlagwort: marc emery

Marc und Jodie Emery – Was passiert in Kanada?

Vielen wird die Geschichte sicherlich schon bekannt sein: Marc Emery ist ein kanadischer Legalisierungsaktivist und Headshopbesitzer, der über eine lange Zeit sehr erfolgreich Hanfsamen per Post in die ganze Welt und natürlich auch in die USA verkauft hat. Mit einem Teil der Gewinne finanzierte er damals Legalisierungsgruppen in ganz Nordamerika, und machte sich dadurch bei US-Behörden ziemlich unbeliebt. Da er jedoch kanadischer Staatsbürger ist, die Staatsgrenze nie übertreten hatte, und die kanadischen Behörden den Handel mit Hanfsamen offen tolerierten, sah es lange so aus als sei er mit diesem Konzept völlig sicher. Und dementsprechend rechnete niemand mit dem, was dann kam.

Am 29.Juli 2005 wurden in Vancouver der Buchladen von Marc, sowie das Hauptquartier der BC Marijuana Party von der kanadischen Polizei gestürmt. Gleichzeitig wurde Marc auf einem Hanffest in Nova Scotia zwecks Auslieferung in die USA festgenommen. Alles auf Anfrage der US Drug Enforcement Agency,  die ganz offen und freimütig zugab, dass das Auslieferungsersuchen durchaus auch mit Marc´s politischem Engagement zusammenhing.

Hundreds of thousands of dollars of Emery’s illicit profits are known to have been channeled to marijuana legalization groups active in the United States and Canada. Drug legalization lobbyists now have one less pot of money to rely on.

Marc und seine Frau Jodie wehrten sich zunächst mit allen juristischen und politischen Mitteln gegen die Auslieferung, da aber zunächst auch 2 von Marcs engsten Mitarbeitern mit den gleichen Vorwürfen konfrontiert wurden (der Vorwurf lautete tatsächlich auf gewerbsmäßigen Handel mit Marihuana), einigte sich Marc auf einen Deal mit der DEA. Er verzichtete auf weitere Rechtsmittel und plädierte auf schuldig, dafür wurden die Vorwürfe gegen seine Mitarbeiter fallen gelassen, darunter die schwer kranke und mittlerweile leider verstorbene Cannabispatientin Michelle Rainey. 5 Jahre amerikanisches Gefängnis ohne Zugang zu medizinischem Cannabis wären für sie noch viel schwieriger zu ertragen gewesen, als für Marc selbst.

Man kann schwer ermessen, welche persönlichen Dramen sich damals abgespielt haben. Aber auch öffentlich wurde die Sache in Kanada sehr stark thematisiert, schließlich ist es schon an sich eine Besonderheit, dass ein kanadischer Staatsbürger in die USA ausgeliefert und dort vor Gericht gestellt wird, obwohl er all seine Straftaten auf kanadischem Boden begangen hatte. Die Wut war also groß, vor allem in der Hanfszene. Während seiner Wartezeit in Kanada, gab es ein permanentes Protestcamp vor dem Auslieferungsgefängnis, und sogar im weit entfernten Berlin gab es eine Demonstration für die Freilassung von Marc Emery. (Video)

Nach Marcs Auslieferung übernahm seine Frau Jodie das Geschäft, und begann gleichzeitig einen wöchentlichen Video-Blog. Dieser beschreibt auf seriöse und doch oftmals emotional tiefgreifende Art, die Entwicklungen rund um ihren inhaftierten Ehemann und die Legalisierungs-Szene ganz allgemein. Dank der starken Unterstützung von allen möglichen Menschen, kann Jodie relativ häufig zu ihm in die USA fahren, und Marc schafft es sogar aus dem Gefängnis per Post einen Internet-Blog zu betreiben! Das enorme persönliche Engagement, und die tiefe emotionale Bindung zum Thema Cannabislegalisierung hat mich selbst oft sehr beeindruckt. Besonders deutlich wurde letzteres für mich bei der Jodie-Emery-Show kurz nach den Erfolgen von Colorado und Washington. Es ist einfach unglaublich wie lange Sie und wir alle auf diesen Moment warten mussten; und wer dieses Video sieht erkennt erst richtig, welchen enormen Fortschritt der 6.11.2012 für unsere Welt bedeutet hat:

Nun wurde vor kurzem unter der neu gewählten, konservativen Regierung in Kanada die Cannabis-Gesetzgebung deutlich verschärft, vor allem durch die Einführung von Mindeststrafen ähnlich wie in Deutschland. Es ist also weiterhin viel Druck nötig, um die positiven Entwicklungen vorranzutreiben, und die negativen zu bekämpfen.  Wir alle müssen uns daran beteiligen, die Prohibition ist ein weltweites Problem und wir dürfen nicht stillstehen, bis alle Menschen auf der Welt frei von dieser Form der persönlichen Unterdrückung leben!

Marc Emery bereitet derzeit seine Kampagne für eine vorzeitige Rückführung nach Kanada vor. Kanadische Gefängnisse sind nicht nur besser für die Gesundheit als US-amerikanische, sondern vor allem wäre es für Jodie leichter ihren Ehemann regelmäßig zu besuchen, wenn sie dafür keine 2000 Meilen zurücklegen müsste. Allerdings müssen für eine Verlegung die US-Behörden zustimmen, und es erscheint momentan doch fraglich, ob sie soviel Menschlichkeit zeigen werden.

Als Europäer fällt eine direkte Beteiligung an der Kampagne schwer, aber jeder ist aufgerufen Marc mit persönlichen Briefen und Geldspenden zu unterstützen. Informationen dazu findet ihr hier. Im Gefängnis ist es nicht schön und Marc freut sich immer über englisch- oder spanischsprachige Briefe, besonders über kleine Geschichten zu politischen Entwicklungen und Legalisierungs-Protesten in Europa. Ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere von euch sich die Mühe macht.

Advertisements
Kategorien: Weltweit | Schlagwörter: , , , , , , ,

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.