Das DHV Webforum

Schon früher beschäftigte mich manchmal der Gedanke, warum es in Deutschland dutzende Kiffer-Foren gibt, aber in diesen Webforen das Thema Legalisierung und Drogenpolitik nur ganz klein am Rande vorkommt. Ja, man wird in vielen dieser Foren teilweise eher wie ein merkwürdiger Fremdling betrachtet, der hier irgendetwas von den Leuten will, die doch eigentlich nur entspannt über Gras plaudern wollen. Nicht sehr angenehm für einen überzeugten und engagierten Legalisierer.

Gleichzeitig war für mich offensichtlich, dass zumindestens eine gewisse Anzahl von Menschen in Deutschland das Bedürfnis haben, regelmäßig über Legalisierungsperspektiven und -Entwicklungen zu diskutieren. Die meisten Legalisierungsverfechter außerhalb Berlins leben mit diesen Gedanken leider relativ isoliert, und wissen oft gar nicht so recht, was sie eigentlich alleine machen sollen. Normale Konsumenten hören ihnen meist gar nicht zu, wenn nicht grade das Thema Cannabis bei Welt der Wunder vorkam…

Spätestens als der DHV kurzzeitig ein Webforum zur Bewerbung der damaligen Cannabispetition freischaltete, wurde mir klar, dass hier nicht nur ein Bedarf besteht; sondern auch ein erhebliches Potential für die Hanf-Community, um endlich auch wieder bundesweit aktiv sein zu können. Schließlich gab es seit fast 10 Jahren kaum noch Hanf-Demos oder Aktionen außerhalb Berlins. Alles konzentrierte sich auf die Hanfparade, die zwar wunderschön und wichtig ist, aber leider auch nur einmal im Jahr. Und die ständigen Beschwerden von anonymen Bundesbürgern, dass der Weg nach Berlin so wahnsinnig weit und teuer sei, nervten nicht nur die Hanfparade Organisatoren, sondern auch diejenigen, die die Kommentare schrieben. Denn diese Menschen wollen für Hanf demonstrieren – sie finden nur keinen Anschluss!

So schrieb ich also mehrfach an den DHV, dass wir endlich ein Webforum benötigen, um Menschen zusammen zu bringen, die zusammen gehören. Ich bot meine Hilfe als Admin an, völlig unwissend, was auf mich zukommt. Da ich damals auch noch zu den Facebook-Totalverweigerern gehörte, war dies für mich auch keine Alternative. Ein eigenes Forum musste einfach her.

Eines Tages erhielt ich dann eine Nachricht vom DHV, dass das Forum eröffnet sei, mitsamt meinen Admin-Zugangsdaten. Ich fing an, mich mit phpBB auseinanderzusetzen, stellte aber schnell fest, dass die technische Seite nicht meine Stärke ist. Dank der fleißigen Arbeit der anderen beiden Admins, Nordel und Vorarim; und der Unterstützung des DHV Teams musste ich mir darüber auch nicht zu sehr den Kopf zerbrechen, sondern konnte hauptsächlich inhaltlich arbeiten. Teilweise schien es mir dennoch so, als sei meine Erwartung an das Forum zu groß gewesen. An manchen Tagen gab es gar keine Beiträge. Und sehr viele gute Projekte, die angefangen wurden, versandeten in der Masse von anderen Beiträgen.

Trotzdem ziehe ich heute eine positive Zwischenbilanz. Wir haben mit relativ geringen Kosten für den DHV, vergleichsweise viel geschaffen. Im Regionalbereich gibt es zwar viele scheintote Threads, doch ich weiß, dass auch hier noch eine Chance besteht, dass Menschen zueinander finden. Und bei vielen der Hanfdemos, die wir 2012 in Deutschland erlebten, spielte der Regionalbereich des Forums zumindestens eine Nebenrolle. Über das Forum kann man noch immer Kontakt zu den meisten relevanten Gruppen außerhalb Berlins bekommen.

Wir konnten natürlich auch viele virtuelle Aktionen koordinieren, wie den „Zukunftsdialog“ mit Angela Merkel, oder das Hochvoten der Fragen bei Abgeordnetenwatch. Viele Unterstützer nutzen das Forum auch, um simple Grafiken oder hochkomplexe Flyer für den DHV oder andere Projekte zu entwerfen, mit dem Vorteil des schnellen Feedbacks durch eine ganze Reihe von Interessierten. Wer einen Flyer für eine Hanf-Aktion braucht, kann bei uns seine Ideen posten, und mit etwas bitten wird ihm höchstwahrscheinlich jemand helfen!

Unter anderem wurden diese beiden Entwürfe aus dem Forum bereits vom DHV gedruckt und in den Webshop übernommen. Teilweise sogar mit gezielten Spenden durch weitere Forenmitglieder.

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Momentan arbeitet jemand an einem zusätzlichen DHV Plakat, mit der Hanf-Faust die ihr im rechten Bild seht. Wir haben also tatsächlich kein lustiges Kiffer-Forum erschaffen, sondern ein engagiertes und produktives Arbeits-Forum. Und darauf können alle Beteiligten ein wenig stolz sein, finde ich.

Ganz nebenbei finden im Forum natürlich auch drogenpolitische Diskussionen statt. Von „Wann kommt die Legalisierung?“ über „Wie soll die Legalisierung aussehen?“ bis hin zu „Was kann ich dafür tun?“ ist bei uns alles vertreten, und auch hier liegt ein großer Wert. Nur durch die Auseinandersetzung mit anderen Mitstreitern über dieses Thema, kann jeder Einzelne von uns seine Gedanken und Argumente schärfen. Und nur dadurch bleibt man auch am Ball, und entwickelt sich selber weiter. Niemand fängt direkt als Legalisierungs-Fanatiker an.

Ich freue mich über jeden User im Forum, auch wenn man manchmal unterschiedlicher Meinung zu manchen Themen ist. Und auch wenn im Forum vieles noch nicht perfekt ist, und wir sicherlich auch an der Struktur noch vieles optimieren können, bin ich doch stolz auf das bisher Erreichte. Und wir werden weiter machen!

Grüne Grüße. Man sieht sich – Wenn ihr das wollt!

http://hanfverband.de/forum

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Kategorien: DHV Forum

Vorerst keine Legalisierung in Uruguay!

Frohes Neues Jahr 2013,

Leider beginnt das Jahr mit einer schlechten Nachricht, die zwar schon älter ist aber mich erst heute erreichte. Die fest geplante Legalisierung in Uruguay wird vorerst aufgeschoben. Der Präsident José Mujica hat sich, nach einer Meinungsumfrage, in der sich 64% der Befragten gegen eine Legalisierung von Cannabis aussprachen, dagegen entschieden das Vorhaben wie geplant umzusetzen.

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Mitte: Der Präsident von Uruguay José Mujica, unter CC-Lizenz von Gobierno de la Ciudad de Buenos Aires

Gleichzeitig betonte Mujica jedoch, dass er grundsätzlich an dem Vorhaben festhalten will, zum Wohle der gesamten Bevölkerung. Vorher müsse diese jedoch besser über die Schäden durch den Drogenkrieg informiert und aufgeklärt werden. Mujica betonte:  „Die Menschen müssen mehr wissen, denn momentan liefern wir sie dem Drogenhandel aus.“

Ob dies wirklich der wahre Grund für die Entscheidung ist, vermag man von außen nicht zu beurteilen. Eine einzelne Meinungsumfrage, hat allerdings bisher nur wenige Staatsoberhäupter von einer einmal getroffenen Entscheidung abgebracht. Manch einer mag eher den Druck von USA und UNO vermuten, die einen Dominoeffekt in Lateinamerika befürchten, nachdem sich eine ganze Reihe von lateinamerikanischen (Ex-) Politikern offen für die Legalisierung ausgesprochen haben.

Fest steht allerdings, dass in Uruguay genauso wie in Deutschland eine Aufklärung der Bevölkerung der erste Schritt zu einer Legalisierung ist. Insofern mag man José Mujica eingestehen, dass er der Idee noch etwas Zeit gibt, um an Akzeptanz zu gewinnen. Nicht nur in Uruguay, sondern weltweit.

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Wie rede ich mit Legalisierungsgegnern? – Argumente und ihre Wirkung auf Außenstehende

In der normalen Bevölkerung, aber erstaunlicherweise auch unter uns Cannabiskonsumenten begegnen mir häufig Leute, die gegen die Legalisierung von Cannabis sind. Nicht nur bei Infoständen, auch bei Diskussionen im Alltag, mitunter bei Menschen von denen ich es nicht erwartet hätte. Viele davon fallen auf die üblichen Presse-Geschichten vom „Gengras“ und dem enorm hohen Psychose-Risiko herein, ohne sich die genauen Details anzusehen. Manche Kiffer betrachten auch ihren eigenen Cannabiskonsum kritisch, und wollen andere Menschen davor bewahren, den gleichen Weg zu gehen. Außerdem glauben viele Menschen dass einfache Kiffer ja schon lange nicht mehr bestraft werden, sondern nur die bösen Dealer. Schließlich kifft der eine Bekannte schon seit Ewigkeiten und wurde noch nie bestraft…

Alle diese Leute sehen die aktuelle Gesetzeslage als grundsätzlich richtig, weil sie glauben, es sei schon irgendwie alles in Ordnung. Sie haben einfach kein Problembewusstsein. Diesen Menschen kann man nur mit Informationen entgegentreten! Grade wenn man gelegentlich Flyer verteilt, Infostände gestaltet oder sonst mit fremden Menschen diskutiert, ist es wichtig diese Informationen für Gespräche kurz und knapp stichwortartig parat zu haben. Denn meistens hat man nicht viel Zeit um Menschen zu überzeugen, nach kurzer Zeit schalten sie ab, wollen weiterlaufen oder über andere Themen reden.

Daher hier mal einige Stichpunkte die ich persönlich für essentiell halte, wenn es darum geht Menschen von der Legalisierung von Cannabis zu überzeugen, und sich dabei selber nicht zu verheddern:

1.) Noch nie in der medizinischen Geschichte gab es einen Cannabistoten(ganz im Gegensatz zu Alkohol)

Dieses einfache Argument greift eigentlich immer, und ist auch bereits den allermeisten Menschen bekannt. Es führt im Normalfall zu einer Ablenkung auf andere Risiken des Konsums. Eine weitere Diskussion über die Frage: „Was ist schlimmer Alkohol oder Cannabis?“ halte ich für fruchtlos, weil es sehr subjektiv ist und weil die Diskussion eine unausgesprochene Kritik am Gegenüber beinhaltet. (der ja höchstwahrscheinlich gelegentlich trinkt)

2.) Dealer kontrollieren keine Ausweise und haben auch keine Motivation dazu – legale Geschäfte dagegen müssen sich an Gesetze halten und Jugendschutz gewährleisten. Vereinzelte Käufe von Jugendlichen über Dritte sind weniger dramatisch als ein im Freundeskreis von Jugendlichen agierender Schwarzmarkt

Viele glauben, wenn Cannabis legal ist, wird es wie Alkohol oder sogar wie Süßigkeiten verkauft.  Man muß diesen Menschen erklären, dass es auch alternative Modelle gibt, wie z.B. spezielle Coffeeshops, Verkauf in Apotheken, Cannabis Social Clubs, Eigenanbau usw.

3.) In Holland kifft zumindestens kein größerer Teil der Bevölkerung als in Deutschland , in den USA dagegen ein deutlich größerer Anteil als hier. Eine stärkere staatliche Repression gegen einfache Drogenkonsumenten reduziert nicht nachgewiesenermaßen den Konsum in der Gesamtbevölkerung.

Viele glauben einem das einfach nicht. („Ich war doch mal in Amsterdam, da wurde überall gekifft“) Man kann sie nur auf die aktuellen Statistiken hinweisen, und bitten sich zu informieren. Und darauf hinweisen, dass die öffentlichen Kiffer in Holland meistens Touristen sind.

4.) Cannabiskonsumenten sind in Deutschland nicht entkriminalisiert, je nach Bundesland kann man schon für winzige Mengen sehr hohe Geldstrafen bekommen. Wer häufiger von der Polizei kontrolliert wird, hat mehr Probleme als jemand der nie kontrolliert und durchsucht wird.

„Ja aber der kleine Kiffer wird doch gar nicht von der Polizei verfolgt – die jagen nur die dicken Fische!“ – Nein! Erstens besteht der Beifang bei dieser Jagd aus ca. 100.000 kleinen Cannabiskonsumenten, die nur ihren Eigenkonsum besitzen und zweitens wird auch bei diesen das volle Programm von Telefonüberwachung bis Hausdurchsuchung durchgezogen, um an die bösen Händler zu kommen.

5.) Die gesamte Verfolgung von Konsumenten und Cannabishändlern kostet große Mengen Steuergelder (Polizei, Justiz, Strafvollzug, zerstörte Lebenswege) und verhindert die Besteuerung von Cannabisprodukten.

„Aber die Kosten für das Gesundheitssystem wären höher als die Einnahmen durch die Steuern.“ – Nein! Siehe Argument Nr.3 : Gekifft wird sowieso, ob legal oder illegal.

6.) Eine Diskussion über das komplexe Thema Führerscheinrecht sollte meiner Meinung nach mit Nicht-Konsumenten vermieden werden, wenn es nicht aufgezwungen wird. Also langt der einfache Satz: „Bekifft fahren ist verboten, und soll auch verboten bleiben“

„Werden dann nicht alle bekifft Auto fahren?“ – Nein! Siehe Argument Nr.3 : Gekifft wird sowieso, ob legal oder illegal.

7.) Eigene Konsumerfahrungen sind meiner Erfahrung nach nur bedingt geeignet fremde Menschen zu überzeugen. Wenn man ein sehr positives, gewinnendes Auftreten hat und schon eine gewisse Sympathie von Seiten des Gesprächspartners spürt, kann es eventuell sinnvoll sein eigene Konsumgewohnheiten zu erwähnen, ansonsten halte ich es erstens für unwichtig und unter Umständen kontraproduktiv. Ganz davon abgesehen, dass bei manch einem dann die Paranoia und der Blutdruck steigt, und die Diskussionsfähigkeit leidet

Ironie an: „So sie wollen natürlich leichter an ihr Gras rankommen?“ – Naja schon irgendwie, warum nicht? 🙂 Ironie aus

Es gibt also gute und weniger gute Argumente im Umgang mit Legalisierungsgegnern. Wichtig ist sich seiner Sache sicher zu sein, und selbstbewußt zu diskutieren. Und dabei immer: Freundlich bleiben, lächeln. Den Diskussionspartner ausreden lassen, auch wenn Unsinn kommt oder man selber schon genau weiß, was kommen wird. Auch wenn man den anderen nicht sofort überzeugen kann, freundlich verabschieden und darauf hoffen, dass die platzierten Argumente ein bißchen im Kopf hängen bleiben. Nicht jeder ist innerlich stark genug, um bei einem derart brisanten Thema wie Cannabis und Drogen sofort auf die Legalisierungswelle umzuschwenken, nachdem man jahrzehntelang nur gehört hat wie schlimm Drogen sind. Also erwartet nicht immer, dass ein von Springer oder anderen Mainstream Medien gefütterter Mensch euch sofort versteht, gebt ihm etwas Zeit. Alte Gewissheiten sind schwer abzulegen.

Viel Spaß beim Diskutieren, Let´s Legalize!

grüne Grüße, Euer Groooveman

Kategorien: Artikel

Cannabisprohibition im Vergleich

Eines der Konfliktthemen, die gelegentlich unter LegalisierungsbefürworterInnen auftauchen, ist die Frage womit man die Situation der Cannabiskonsumenten vergleichen kann.

Dieser Konflikt tritt meist dann auf, wenn einzelne Personen die staatliche Verfolgung von Kiffern mit der staatlichen Verfolgung von Juden im Dritten Reich vergleichen. Dieser Vergleich liegt nahe, wenn man sich selber ständig verfolgt fühlt, den Job verliert, das Telefon abgehört wird und manche sogar im Gefängnis landen. Manch ein Kiffer wird mehr als nur stigmatisiert, es geht um staatliche Kriminalisierung und de Facto um eine Verneinung unseres Existenzrechtes durch den Staat. Insofern erscheint der Vergleich manch einem gerechtfertigt.

Bei genauerer Betrachtung ist dies jedoch Blödsinn, und es ist gefährlicher Blödsinn da dieser Vergleich (meist ungewollt) auch eine Relativierung der Grausamkeiten des Holocaust darstellt. Die Verfolgung der Juden im Dritten Reich gipfelte jedoch nicht nur im staatlich organisierten Mord an vielen Millionen Menschen, sondern sie war von Anfang an auf eine intensive Verfolgung und Auffindung der Juden gerichtet, und insofern schon strukturell völlig anders angelegt als die Cannabisprohibition in Deutschland.

Tatsächlich haben nämlich Kiffer in Deutschland sehr wohl ein Existenzrecht – sie dürfen sich nur nicht bei Straftaten erwischen lassen. Da liegt ein großer Unterschied, und dieser Unterschied ermöglicht es uns, selber für unsere Sache einzutreten. Niemand wird eure Wohnungstür eintreten, nur weil ihr euch öffentlich Pro-Cannabis äußert, wir brauchen also keine US-Army, die die Gefängnisse stürmt um die Kiffer zu befreien, sondern wir müssen selber die Sache in die Hand nehmen und unsere Meinung verbreiten!

Und das bringt mich zu einem in vielerlei Hinsicht besseren Vergleich für unsere Situation: Die Verfolgung von Homosexuellen.

Lange Zeit, noch bis in die späten 60er Jahre hinein, war Unzucht mit Männern in Deutschland grundsätzlich ein Straftatbestand. Zehntausende Männer wurden tatsächlich deswegen verurteilt, die Strafen reichten von Geldstrafen bis hin zu kurzen Freiheitsstrafen. Im Laufe der Zeit wurde dann der Paragraph 175 entschärft, und erst 1994 ersatzlos gestrichen. Gleichzeitig fand ein enormer gesellschaftlicher Wandel statt, das Thema Homosexualität wurde enttabuisiert und immer mehr in die Öffentlichkeit gebracht. Trotzdem haben viele Deutsche heute noch große Vorurteile und Ängste gegenüber Homosexuellen und ganz besonders homosexuellen Männern, so dass es der Schwulenbewegung an Arbeit auch für die nächsten Jahrzehnte sicherlich nicht mangeln wird, ähnlich wie bei der Cannabisbewegung in Washington und Colorado, wo Cannabis legalisiert wurde.

Denn: Dieser gesellschaftliche Wandel, die Freiheit die viele Homosexuelle heute in Deutschland genießen können, wurde in erster Linie durch eine aktive politische und kulturelle Bewegung geschaffen, durch viele tausend Briefe, Outings, Demonstrationen, Aktionen, Bücher, Filme, Presseberichte usw. Und genau diesen Weg können wir auch gehen! Wir müssen uns nur klar sein, dass die Bedeutung dieses Themas für uns so groß ist, das wir nicht bereit sind weiter zu zuschauen, wie gegen unsere Interessen Politik gemacht wird. Wir müssen erkennen, dass wir auch dann Betroffene dieses Gesetzes sind, wenn wir es erfolgreich schaffen uns davor zu verstecken, oder wenn wir gerade nicht aktiv konsumieren.

Der Vergleich zwischen der Verfolgung von Homosexuellen in der BRD und der Verfolgung von Cannabiskonsumenten bringt also deutlich mehr Ähnlichkeiten, als ein Vergleich zu den deutlich dramatischeren und brutaleren Vorgängen im dritten Reich. Hier nochmal die von mir festgestellten Überschneidungen, ich freue mich über Ergänzungen eurerseits:

  • Sowohl der homosexuelle Akt als auch der Akt des Cannabisbesitzes sind kein fremdschädigendes Verhalten
  • Homosexuelle konnten sich theoretisch gut verstecken bzw. zwei getrennte Leben führen.
  • Sie konnten in manchen Städten auch lange Zeit sehr offen leben, um dann an einem Tag plötzlich und überraschend in eine Razzia zu geraten.
  • Die Diskriminierung war nicht nur staatlich organisiert, sondern auch gesellschaftlich weit verbreitet.
  • Die Liberalisierung entwickelte sich regional unterschiedlich, in den Städten schneller als auf dem Land.
  • Homosexuelle bekamen wie Cannabiskonsumenten Geld- und Freiheitsstrafen.
  • Homosexuelle haben ihre eigenen Demonstrationen und Vereine organisiert, um ihr Thema selber aktiv in die Öffentlichkeit zu bringen.
  • Der Christopher Street Day ähnelt mit seinem weltweiten Ansatz dem Global Marijuana March.

Unterschiede gibt es natürlich auch:

  • Die heutigen Strafen für Cannabishandel und Anbau übertreffen die früheren Strafen für Unzucht mit Männern deutlich.
  • Wer homosexuell ist, begreift meist schnell dass er dies ein Leben lang sein wird. Kiffer dagegen rechnen meist damit, sowieso irgendwann aufzuhören.
  • Sexualität ist tatsächlich fester verwurzelt und scheint weniger leicht zu unterdrücken als Substanzkonsum.
  • HIV brachte dem Thema Homosexualität einen enormen Auftrieb, der die Entstehung vieler Initiativen und Vereine begünstigte. Die wachsende Diskriminierung von homosexuellen HIV-Kranken führte zu wachsender Empörung, auch bei Unbeteiligten.

Ich hoffe in Zukunft seltener mit dem Juden-Vergleich konfrontiert zu werden, er ist nicht nur falsch sondern er relativiert auch die dramatischen Ereignisse des Holocaust. Wie anfangs schon geschrieben: Ich kann menschlich verstehen wenn einige sich so schlimm behandelt fühlen, dass sie meinen diesen drastischen Vergleich wählen zu müssen. Aber es ist einfach nicht richtig! Und es gibt bessere Vergleiche, die man ziehen kann. Allen vorran natürlich die Alkoholprohibition in den USA, aber das wäre ein ganz eigenes Thema.

In diesem Sinne: Einen guten Rutsch und vielen Dank fürs Lesen.

Kategorien: Artikel

Hallo!

Hallo schöne Welt!

Hier erblickt ein neuer Blog das Leben. Nachdem ich bisher nur vereinzelt größere Texte für den Hanfverband oder die Hanf-Aktivisten geschrieben habe, fühlte ich mich nun ermutigt selber ein Weblog zu schreiben. Ich werde darin meine Gedanken und Perspektiven zur deutschen Drogenpolitik sowie zur Legalisierungs-Szene beschreiben.

Ich hoffe es ist für den ein oder anderen was interessantes zu lesen dabei, und ihr besucht gelegentlich diese Seite.

Grüne Grüße, euer Groooveman

Kategorien: Belangloses

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