Private Erlebnisse

21.Juni 2014 – Just a dream

Oliver Becker
Ein lebhafter Traum über Oliver Becker, den Görlitzer Park und ganz viel Haschisch

Am Morgen des 21. Juni wache ich gut gelaunt auf. Es ist der Tag, auf den die Hanfszene in Berlin und ganz Deutschland schon seit Wochen gespannt wartet: Oliver Becker will im Görlitzer Park öffentlich Cannabis verkaufen.

Diese Tatsache alleine würde wohl noch nicht für solchen Aufruhr sorgen, aber Oliver verspricht die besten Haschischsorten aus Marrokko mitzubringen. Und er will nur an über 21 jährige verkaufen. Und er hat eine Gewerbeanmeldung. Das alles unterscheidet ihn von den normalen Händlern, die im Park Marihuana verkaufen. In den letzten Wochen hat sich die Berliner Polizei mehrmals eindeutig positioniert: Sie will seine Aktion nicht akzeptieren. „Der Görlitzer Park ist kein rechtsfreier Raum“, ließ sich ein leitender Beamter zitieren. Deutsche und internationale Medien berichteten bereits ausführlich über die geplante Aktion. Heute ist es also soweit. Die aufgeheizte Stimmung wird sich heute entladen, entweder in Form einer süßen Rauchwolke oder in Form von wütenden und enttäuschten Haschischfreunden. Vielleicht wird der 21.Juni irgendwann für Hanffreunde so etwas wie der Christopher Street Day der Schwulen, wer weiß?

Mit gespannter Erwartung schmiere ich mir einige Brötchen und packe meine Tasche. In meine Unterhose stecke ich noch ein Gramm Purple Kush. Für alle Fälle. Schließlich weiß niemand, ob und wie schnell Oliver wirklich zum Verkaufen seines Haschischs kommt. Grundsätzlich ist das auch egal: Der Tag wird sicherlich so oder so sehr lustig.

Ich mache mich also mit dem Fahrrad auf den Weg. Es ist bestes Juni Wetter. In Berlin findet an diesem Tag nebenbei noch das Fete de la Musique Festival statt. Auch im Görlitzer Park spielen Bands und dementsprechend voll ist es. Viele Famillien und Gruppen von Jugendlichen bevölkern den Park. An den Eingängen stehen wie üblich kleine Gruppen von Männern, die vorbeilaufende Menschen ansprechen, um ihnen Gras zu verkaufen. Auf den ersten Blick scheint alles wie immer, ein geschäftiges aber entspannt-friedliches Treiben. Ich will aber an diesem Tag kein Gras kaufen. Ich will Oliver Becker und das bunte Legalisator Mobil sehen.

Bei einer kurzen Runde um den Park sehe ich dann die Polizei. Auf einigen Bänken sitzen auffällig unauffällige, großgewachsene Männer und am einzigen Eingang der für Fahrzeuge passierbar ist, haben sich uniformierte Beamte postiert. Ich spreche die Uniformierten an und frage leicht scheinheilig nach, was sie denn genau da bewachen.

„So ein Typ will heute mit einem bunten Wohnmobil Drogen hier im Park verkaufen… Das werden wir verhindern.“

antwortet mir einer der Beamten. Auf meine lachende Nachfrage, was denn mit der gefühlten Hundertschaft von Drogenhändlern an den anderen Eingängen und in der Mitte des Parks sei, antwortet er nur mit einem leicht genervten Achselzucken und dreht sich weg. Ein Gespräch kann so nicht entstehen. Hier ist es mir zu langweilig und ich mache mich auf die Suche nach Hanffreunden, die wie ich auf Oliver warten.

In der Kuhle mitten im Park haben sich bereits einige Leute versammelt, die nach Hanfszene aussehen. Hier stehen sogar noch einige Zelte, scheinbar haben Menschen im Park übernachtet um garantiert nichts zu verpassen. T-Shirts mit Aufschriften von ACM, DHV und Hanfparade lassen auf jeden Fall keinen Zweifel: Hier bin ich richtig. Es ist erst 14 Uhr und alle rechnen für 16:20 Uhr mit der Ankunft von Oliver. Ich berichte von meinen Beobachtungen und dem eindeutigen Gespräch mit der Polizei. Die ganze Gruppe philosophiert intensiv über den möglichen Ablauf des Tages. In einem Punkt herrscht Einigkeit: Wir sind nicht vor Ort um Haschisch zu kaufen, sondern um Oliver zu beschützen. Wie das möglich sein könnte, dazu gibt es verschiedene Ideen. Einige Leute ziehen mit selbstkopierten Flyern los, um die restlichen Park Besucher über die Vorgänge zu informieren. Gegen 15 Uhr sind bereits mehrere hundert Oliver Fans auf einem Haufen versammelt und auch im Rest des Parks gibt es viele Kiffer, die jetzt über die Vorgänge informiert sind.

So warten also alle gespannt auf irgendein Zeichen oder eine Ansage, was zu tun sei. Womöglich kommt Oliver gar nicht bis zum Park? Die Zweifel sind groß. Plötzlich ruft jemand etwas. „Oliver hat ein Bild auf Facebook gepostet. Er steht mit seinem Wohnmobil am Haupteingang und die Polizei durchsucht das Fahrzeug!“ Auf einmal entsteht Bewegung. Alle machen sich auf den Weg und ich schließe mich an. Am großen Eingang sind mittlerweile mehrere dutzend Beamte versammelt. Einige stehen als Kette im Eingang und lassen niemanden durch. Andere durchsuchen das Fahrzeug von Oliver. Naja man sollte eher sagen: Sie bauen es auseinander. Auf der Straße liegen Autoteile und Innenverkleidungen des bunten Legalisator Mobils. Ein Hund wird immer im Kreis um das Fahrzeug herumgeführt und wedelt aufgeregt mit seinem Schwanz. Oliver steht relativ gelassen daneben und auch viele Schaulustige von der Straße beobachten das Schauspiel, während ich und die anderen Hanffreunde aus dem Park von der Polizei nicht zum Schauplatz des Geschehens durchgelassen werden. Das wollen wir uns aber nicht bieten lassen.

Mit ein wenig sanftem Druck und etwas süßem Rauch ist die dünne und demotiviert wirkende Polizeikette schnell durchbrochen. Wir strömen langsam und friedlich zu Oliver, den Schaulustigen und dem halb zerlegten Fahrzeug. Ich stehe neben einem der Beamten und höre wie er ins Funkgerät spricht:

„Da ist nichts im Auto, wir haben jetzt 3 mal gesucht. Ja. Die Hunde schlagen alle an aber da ist nichts… Ja, natürlich. Ich melde mich wieder “
Danach geht der gleiche Beamte zu Oliver und sagt:
„Sie können jetzt weiterfahren. In den Park dürfen sie allerdings nicht mit ihrem Wohnmobil, da dürfen keine Fahrzeuge rein.“

Oliver nickt und deutet auf die vielen Fahrzeugteile auf der Straße: „Was ist jetzt damit?“

„Das können sie wieder einräumen. Schönen Tag noch“

Oliver nickt wieder. Nichts anderes war zu erwarten gewesen. So helfen einige der der Umstehenden ihm beim Einräumen der Einzelteile während von allen Seiten Fragen auf Oliver einprasseln:

„Wo ist denn jetzt das Hasch?“
„Wieviel krieg ich für 10 Euro?“
„Hast du alle Sorten die auf dem Plakat sind?“

Oliver lächelt nur sanft und räumt seine Sachen ins Fahrzeug. Die Innenverkleidung wird nicht befestigt, sondern einfach ins Fahrzeug gelegt. Nur an der Anlage schraubt Oliver noch ein wenig herum und bringt sie wieder zum laufen. Die Polizei bleibt in der Nähe und Oliver erhebt kurz seine Stimme:

„Bitte folgt mir jetzt einfach. Vertraut mir. Ich fahre voraus.“

Mit diesen Worten steigt er in sein Legalisator Mobil und macht die Musikanlage an. Ein fetter Bass ertönt und die Menschen fangen an im Takt zu wippen. Das Mobil setzt sich in Bewegung und die stetig anwachsende Meute folgt. Die Menge ist schwer zu überschauen, aber die kleine Straße ist auf jeden Fall sehr voll. Auch die Beamten haben weitere Verstärkung bekommen und laufen an der Seite mit. Das Mobil erreicht den nächsten Eingang des Parks, der allerdings mit niedrigen Pollern gegen Einfahrer geschützt ist. Die Musik geht aus und Oliver steigt aus dem Fahrzeug und deutet mit seinem rechten Arm darauf:

„Bitte, Leute. Der Legalisator muss in den Park! Ihr seid viele hundert Menschen. Der Legalisator wiegt gerade mal 2 Tonnen. Ihr könnt das schaffen. Ich bin tausende Kilometer aus Marrokko angereist. Jetzt darf es nicht an den letzten Metern scheitern. Hebt ihn hoch!

Sofort stürmen bereitwillige Träger an die Seiten des Fahrzeugs. Die Polizisten gucken leicht irritiert und ein Beamter spricht sofort Oliver an. Auch getragen dürfe das Fahrzeug nicht in den Park hinein…

„Dann geben sie mir halt die Ordnungswidrigkeitsanzeige, ich zahle dann per Rechnung, sie haben ja meine Anschrift. Wenn die Menschen es schaffen dieses Fahrzeug in die Luft zu heben, dann müssen sie den Willen der Menschen auch mal akzeptieren. Wir sind hier in Kreuzberg!“

Mit diesen Worten lässt Oliver den verdutzten Beamten stehen und geht zu der Meute, die etwas unbeholfen am Legalisator herumspielt.

„Alle gleichzeitig bei drei!“ ruft er laut.

„Eins“
„Zwei“
„Und drei!“

Der Legalisator hebt sich unter der Kraft mehrerer dutzend hochmotivierter Kiffer in die Luft. Die Polizisten stehen noch im Weg, werden aber von anderen Leuten weggedrängt und dadurch von gefährlichen Eingriffen in diesen komplizierten Vorgang abgehalten. Langsam und vorsichtig lotst Oliver die Gruppe mit dem schwebenden Legalisator über die Eingangspoller hinweg und lässt das Mobil wieder absetzen. Unter dem Jubel der Menschenmenge steigt Oliver in sein Fahrzeug. Die Polizisten folgen weiter am Rande und beraten sich untereinander über das weitere Vorgehen. Ein übermütiger Kiffer geht mit brennendem Joint zu der Truppe und fordert die Beamten auf, jetzt endlich nach Hause zu gehen. Das sei hier schließlich der Görli und er wolle jetzt auch endlich mal richtig gutes Haschisch rauchen.

„Nicht immer nur dieses Kunstlicht Gras. Nie wieder Kunstlicht!“

sagt er und fuchtelt mit seinem halb gerauchten Joint vor den leicht genervten Beamten rum. Bevor diese sich zum Zugriff entschließen, rennt der junge Mann wieder zurück in die Menschenmenge, ich rieche nur die Graswolke die er hinter sich lässt. Aber die Menschenmenge hat den Kampfspruch des Tages gefunden:

„Nie! Nie! Nie wieder Kunstlicht!“

und

„Wir wollen Haschisch“

rufen die Leute jetzt, während das Legalisator Mobil in Richtung Mittelpunkt des Parks fährt. Die üblichen Händler weichen im Angesicht dieser Prozession kurzzeitig aus und beobachten das Geschehen aus einiger Entfernung. Am Rande der großen Kuhle in der Mitte des Parks bleiben die Polizisten dann plötzlich zurück und verteilen sich rund um den Trichter in größeren Gruppen. Einige Beamte lächeln bewundernd ob des gerade erlebten. In der Mitte angekommen, spricht Oliver erneut zu den Menschen:

„Leute, ich bin voll glücklich das wir hier angekommen sind. Ich muss jetzt kurz mal hier im Legalisator verschwinden. Ich mache euch solange Musik an und hoffe ihr feiert schön ne kleine Party und dann gehts hier bald richtig los!“

Er schließt die Tür seines Mobils hinter sich, verhängt die Fenster und der laute Goa Sound ertönt aus den Boxen. Niemand weiß genau was jetzt passieren wird, aber es ist sowieso Fete de la Musique und die Stimmung ist nach dem erfolgreichen Transport des bunten Legalisator Mobils natürlich blendend. Die Polizei steht in genügender Entfernung, so dass sich niemand wirklich gestört fühlt. Ich sehe viele Menschen am kiffen und baue selber auch noch einen Joint von meinem mitgebrachten Gras. Die Spannung ist groß und es gibt viele Teilnehmer die sich neugierig untereinander über verschiedene Theorien austauschen, was Oliver im Bus grade so machen könnte. Viele sehen das ganze aber auch eher als Happening und tanzen beschwingt aber leicht desinteressiert zur Musik. Nach über einer Stunde wird die Musik wieder leiser. Eine Stimme ertönt durch die Lautsprecheranlage. Leicht verzerrt, aber es ist eindeutig Oliver.

„Ich kann von hier drinnen nicht viel sehen. Eine Frage: Sind Polizisten hier in direkter Nähe?“

„Neeeeiiiin“ antwortet die Menschenmenge

„Ok, dann passt auf. Bitte macht jetzt eine dreifache Menschenkette rund um unsere ganze Gruppe hier. Jetzt gibt es nur noch drinnen und draußen. Alle Menschen innerhalb unserer Gruppe die irgendwie unpassend, nüchtern oder unfreundlich aussehen versucht ihr einfach zu umarmen und bietet ihnen einen dicken Joint an – oder eine Zipsy. Wer eins von beidem ablehnt ist potentieller Polizist oder Ganove und hat in unserem Menschenkreis nichts verloren! Solche Menschen könnt ihr ruhig weg schicken. Die sollen raus aus unserem Kreis. Alle anderen genießen jetzt den Schutz der Menge.“

Rund um die mittlerweile recht große Gruppe bilden sich also langsam Ketten und manche Teilnehmer in der Mitte sprechen plötzlich miteinander und umarmen lachend ihre Nachbarn. Zwei großgewachsene und eindeutig zu nüchterne Männer mittleren Alters werden unter lautstarken Beschimpfungen und in Begleitung diverser Kameras aus dem Kreis heraus befördert. Sie lachen nicht, sondern laufen schnurstraks zu ihren uniformierten Kollegen am oberen Wegesrand.

Ich stehe nach einigen Umarmungen und ein paar spendierten Joints weiter in der Menschenmenge und warte gespannt auf das, was da kommen soll. Wenn er jetzt wirklich etwas im Fahrzeug versteckt hatte? Aber das kann gar nicht sein, der Wagen wurde doch zig Mal durchsucht! Plötzlich öffnet ein lächelnder Oliver die Tür seines Legalisator Mobils…

Ich wache schweißgebadet auf. Ich habe Dinge getan, die ich im echten Leben niemals tun würde. Auf meinem Handy lese ich das Datum: 14. Juni. Oliver ist noch nicht da.

Es war alles nur ein verrückter Traum…

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Ein ganz persönlicher Bericht zur Millionärswahl

Das waren ein paar völlig verrückte Wochen…

Schon die Anfangsphase der Millionärswahl war für mich wie für manch andere ein echtes Wechselbad der Gefühle. Nicht nur die mehrfachen Änderungen bei Regeln und Sendezeiten der Millionärswahl sorgten bei mir für Anspannung, sondern auch die szeneinternen Streitereien.

Nach dem riesigen Erfolg in der ersten Sendung war meine Stimmung wieder super, als dann aber plötzlich die Sendung aus dem TV ins Internet verlegt wurde, befürchtete ich doch ein sinkendes Interesse seitens der DHV Unterstützer, und ich muss zugeben es regte mich auch massiv auf weil ich bereits das Werbebild für den TV Sendetermin auf Facebook gepostet hatte. Da das Bild beim ersten Mal natürlich öfter geteilt und geliked wurde, als beim Re-Posting, konnten wir unmöglich alle Fans noch über die Änderung informieren. Einige Menschen haben am Samstag Abend sicherlich erst beim DHV Siegesbild gemerkt, das die Sendung aus dem Fernsehen ins Internet und gleichzeitig vorverlegt wurde.

Dazu kam meine persönliche Dramatik. Es begann am letzten Donnerstag. Ich bekam einen Weisheitszahn operativ entfernt, und rechnete mit einer Genesungszeit von 2-4 Tagen. Auf Grund des anstehenden Finales, des Chaos um die Bewerbung des Events und wegen dem riesigen Andrang beim DHV arbeitete ich natürlich auch in dieser Zeit konsequent online weiter. Das war wohl dem Heilungsverlauf nicht sehr zuträglich… Schon länger hatte ich allerdings rund um den 25.Januar eine Fahrt nach Berlin geplant, und diese wollte ich auch trotz Millionärswahl und Zahnschmerzen durchführen. Ausgestattet mit meinem Laptop und 2 Blistern Ibuprofen 400 ging ich auf die Reise.

Schmerzfrei und zufrieden konnte ich mich hier etwas vom selbst gemachten Druck befreien, und legte einen Tag Pause ein. Da ich bei Freunden zu Besuch war, deren Begeisterung für die Millionärswahl sich in engen Grenzen bewegte, suchte ich für den Samstag Abend nach Alternativen. Leider war Max krank und auch andere Interessenten an einem gemeinsamem Millionärswahl-Event konnte ich in Berlin nicht ausmachen. Da kam es mir sehr entgegen, dass meine Aktivistentruppe in Frankfurt die Hanf-Initiative es tatsächlich geschafft hatte, ein Public Viewing zur Sendung zu organisieren. Also buchte ich am Freitag Abend eine Mitfahrgelegenheit für Samstag früh, und stand um 07:30 Uhr in Neukölln auf, um mich zum Treffpunkt zu begeben.

Eine nette Dame mittleren Alters fuhr mit mir alleine und war sehr gesprächig, so konnte ich nicht wie geplant während der Fahrt noch etwas Schlaf nachholen. Sie erzählte viel von sich selber und es war eigentlich sehr nett. Allerdings wirkte sie doch eher etwas spießig, so dass ich mich anfangs eher zurück hielt. Auf die Frage nach meinem Beruf und meinen privaten Tätigkeiten erwähnte ich dann doch den Deutschen Hanfverband. Daraufhin schaute sie mich völlig begeistert an und signalisierte deutliche Zustimmung. Sie selber habe ja nie etwas für Hanf übrig gehabt, aber ihr Bruder habe früher Cannabis konsumiert und zum Eigenbedarf angebaut, und sei damit erwischt worden. Die Strafe und der ganze Stress rund um die Hausdurchsuchung waren ihr noch in guter Erinnerung. Es entsponn sich ein  interessantes Gespräch über die vielen Nachteile des Verbots und über Wege zur Kontrolle und Regulierung eines legalen Marktes. Wir freundeten uns regelrecht an.

Nach der Hälfte der Strecke machten wir Halt an einer Raststätte die von jungen, männlichen Fußballfans bevölkert war. Diese waren scheinbar einigen Reisebussen entsprungen und größtenteils stark angetrunken. Ich ging mit meiner Begleiterin ins „Serways“ Café um in Ruhe etwas zu essen und auf Toilette zu gehen. Direkt neben der Eingangstür standen 3 junge Männer. Einer hielt einen Plastikbeutel in der Hand und schüttete seinem Bekannten etwas auf die Hand. Beim Näherkommen sah ich kleine grüne Blütchen und ein langes Zigarettenpapier. Ich fing an zu grinsen und ging mit ausgestrecktem Daumen auf die Jungs zu: „Habt ihr schon gehört das heute Abend im Finale von der Millionärswahl Georg vom Deutschen Hanfverband für die Legalisierung von Cannabis antritt?“

Ich blickte in glasige Augen und rote Wangen, aber bei einem der Jungs schien irgendwas zu klingeln. Langsam sprudelte es aus ihm heraus: „Ja Man! Der Typ ist voll geil ich hab das gesehen im Fernsehen voll krass. Das ist heute? Ja ey wir sind beim Fußball heute Abend leider, aber hoffentlich gewinnt er“

Ich empfahl noch kurz die DHV Facebookseite um auch im Stadion die Nummer zum Voten zu kriegen, und ging dann mit einem Grinsen auf dem Gesicht weiter. Eine intensivere Diskussion des Themas erschien mir angesichts des eher desolaten Zustands meiner Gesprächspartner nicht sinnvoll. Auf jeden Fall stieg meine Stimmung durch die Gespräche weiter an, und ich freute mich auf den Abend mit Ingrid und meinen FreundInnen von der Hanf-Initiative.

Leider fuhr mich meine Fahrerin nicht wie erhofft nach Frankfurt, sondern nach Mainz. Da sie so sympathisch und auch ein wenig hilflos in Bezug auf den Frankfurter Straßenverkehr war, akzeptierte ich das widerspruchslos und fuhr vom Mainzer Bahnhof zurück zum Hauptbahnhof Frankfurt, und von dort dann weiter nach Ginnheim wo unser Treffen stattfand.

Kurz nach 6 Uhr abends kam ich dann müde und mit pochender Backe am Treffpunkt der Hanf-Initiative an. Nach und nach erschienen mehr Leute, so dass wir am Ende zu siebt dem Finale entgegen fieberten. Darunter 3 völlig neue Leute die wir bisher nicht kannten. Der Sekt war zwar schon kaltgestellt, aber angesichts der starken Konkurrenz schien der Erfolg absolut nicht sicher. Mehr zu diesem Public Viewing Event werdet ihr sicher bald auf der Seite der Hanf-Initiative Frankfurt erfahren, ihr könnt sie auch auf Facebook liken für alle Infos.

Der Jubel nach Georgs Sieg war natürlich riesig! 2 Flaschen Sekt wurden vernichtet, und auch sonst ließen wir uns nicht lumpen und zelebrierten den Abend ausgiebig. Ich muss zugeben, mir kamen kurzzeitig die Tränen ob dieses riesigen Erfolges. Da es schon spät war, und ich nach Marburg noch eine Zugeise von über 100 km vor mir hatte, beschloss ich die Nacht bei meiner treuen Mitstreiterin und Vorkämpferin Ingrid Wunn zu verbringen. Gegen 2 Uhr nachts fielen wir müde und erschöpft, aber überglücklich in die Betten.

Als es um halb 6 an der Tür klingelte, wachte ich auf. Beim zweiten Klingeln, ahnte ich wer da ist. Beim dritten Klingeln stand ich im Schlafsack im Zimmer. Wenn nach einem Aktivisten Treffen morgens früh Sturm geklingelt wird, gibt es eigentlich nur einen Gedanken… Wir machen als Hanf-Initiative nichts Verbotenes und sind uns unserer Sache auch sehr sicher, aber in diesem Moment schlackern einem dann doch die Knie. Immerhin sind wir nicht nur Hanfaktivisten, sondern Ingrid ist auch bekennende Cannabispatientin ohne Ausnahmegenehmigung. Mein erster Weg führte mich also zur Toilette, während ein anderer Hausgast die Tür öffnete und die Bestätigung meiner Vermutung bekam. Die Polizei wünschte Herr oder Frau W. zu sprechen. Und: „es würde sich lohnen, sie zu wecken…“

Ingrid ging an die Tür und begann das Gespräch. Schnell wurde klar: Dieser Besuch hat absolut nichts mit unserer politischen Arbeit zu tun. Ingrids erwachsener Sohn war in der gleichen Nacht als wir uns freudestrahlend in den Armen lagen, vor einer Kneipe von 2 Menschen angesprochen worden. Diese versuchten wohl ihm sein Handy und sein Geld zu rauben. Scheinbar von dem Mißerfolg frustriert, prügelten die Täter auf ihn ein, und verletzten ihn massiv im Gesichtsbereich. Zur Beruhigung aller Leser: Es geht ihm den Umständen entsprechend gut, langfristig bleibende Schäden wird es wohl nicht geben. Aber der Schock saß natürlich tief, und ehrlich gesagt wünschten wir uns innerlich alle, das morgendliche Klingeln wäre die Hausdurchsuchung gewesen die unsere paranoiden Gedanken uns vermuten ließen…

Sofort fuhren wir zu viert mit dem Taxi ins Krankenhaus. Jetzt ist es elf Uhr morgens. Ich sitze im Wartesaal der Uni Klinik und schreibe diesen Bericht. Ich habe in den letzten Wochen jede Nacht schlecht geschlafen, teils wegen den Schmerzen durch den entfernten Weisheitszahn, und teils wegen dem enormen Psycho-Stress rund um die Millionärswahl. Die letzten beiden Nächte haben den Schlafmangel und auch mein Stress Level noch einmal ganz enorm gesteigert. Vor allem aber hat uns die Nacht vom Samstag eines gezeigt: Ein politischer Erfolg wird ganz schnell nebensächlich, wenn es um die Gesundheit von Freunden und Angehörigen geht.

Und noch etwas hat uns dieses Erlebnis eindrucksvoll klargemacht: Unsere politische Arbeit ist legal. Wenn morgens früh nach einem Aktivistentreffen die Polizei klingelt, kann das eine Vielzahl von Gründen haben. Eine Hausdurchsuchung ist der unwahrscheinlichste davon. Ich habe lange gezögert diese Geschichte hier überhaupt zu veröffentlichen, mich jetzt aber dafür entschieden um euch diesen entscheidenden Punkt klarzumachen: Wir sind keine Kriminellen, und das müssen wir uns auch selber bewußt machen.

Es war ein enormer Kraftakt, der diese Millionärswahl begleitet hat. Für mich persönlich, aber auch für alle anderen DHV Mitarbeiter. Wir werden einige Tage brauchen, um die Batterien wieder aufzuladen. Dafür sollte jeder Verständnis haben.

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