21.Juni 2014 – Just a dream

Oliver Becker
Ein lebhafter Traum über Oliver Becker, den Görlitzer Park und ganz viel Haschisch

Am Morgen des 21. Juni wache ich gut gelaunt auf. Es ist der Tag, auf den die Hanfszene in Berlin und ganz Deutschland schon seit Wochen gespannt wartet: Oliver Becker will im Görlitzer Park öffentlich Cannabis verkaufen.

Diese Tatsache alleine würde wohl noch nicht für solchen Aufruhr sorgen, aber Oliver verspricht die besten Haschischsorten aus Marrokko mitzubringen. Und er will nur an über 21 jährige verkaufen. Und er hat eine Gewerbeanmeldung. Das alles unterscheidet ihn von den normalen Händlern, die im Park Marihuana verkaufen. In den letzten Wochen hat sich die Berliner Polizei mehrmals eindeutig positioniert: Sie will seine Aktion nicht akzeptieren. „Der Görlitzer Park ist kein rechtsfreier Raum“, ließ sich ein leitender Beamter zitieren. Deutsche und internationale Medien berichteten bereits ausführlich über die geplante Aktion. Heute ist es also soweit. Die aufgeheizte Stimmung wird sich heute entladen, entweder in Form einer süßen Rauchwolke oder in Form von wütenden und enttäuschten Haschischfreunden. Vielleicht wird der 21.Juni irgendwann für Hanffreunde so etwas wie der Christopher Street Day der Schwulen, wer weiß?

Mit gespannter Erwartung schmiere ich mir einige Brötchen und packe meine Tasche. In meine Unterhose stecke ich noch ein Gramm Purple Kush. Für alle Fälle. Schließlich weiß niemand, ob und wie schnell Oliver wirklich zum Verkaufen seines Haschischs kommt. Grundsätzlich ist das auch egal: Der Tag wird sicherlich so oder so sehr lustig.

Ich mache mich also mit dem Fahrrad auf den Weg. Es ist bestes Juni Wetter. In Berlin findet an diesem Tag nebenbei noch das Fete de la Musique Festival statt. Auch im Görlitzer Park spielen Bands und dementsprechend voll ist es. Viele Famillien und Gruppen von Jugendlichen bevölkern den Park. An den Eingängen stehen wie üblich kleine Gruppen von Männern, die vorbeilaufende Menschen ansprechen, um ihnen Gras zu verkaufen. Auf den ersten Blick scheint alles wie immer, ein geschäftiges aber entspannt-friedliches Treiben. Ich will aber an diesem Tag kein Gras kaufen. Ich will Oliver Becker und das bunte Legalisator Mobil sehen.

Bei einer kurzen Runde um den Park sehe ich dann die Polizei. Auf einigen Bänken sitzen auffällig unauffällige, großgewachsene Männer und am einzigen Eingang der für Fahrzeuge passierbar ist, haben sich uniformierte Beamte postiert. Ich spreche die Uniformierten an und frage leicht scheinheilig nach, was sie denn genau da bewachen.

„So ein Typ will heute mit einem bunten Wohnmobil Drogen hier im Park verkaufen… Das werden wir verhindern.“

antwortet mir einer der Beamten. Auf meine lachende Nachfrage, was denn mit der gefühlten Hundertschaft von Drogenhändlern an den anderen Eingängen und in der Mitte des Parks sei, antwortet er nur mit einem leicht genervten Achselzucken und dreht sich weg. Ein Gespräch kann so nicht entstehen. Hier ist es mir zu langweilig und ich mache mich auf die Suche nach Hanffreunden, die wie ich auf Oliver warten.

In der Kuhle mitten im Park haben sich bereits einige Leute versammelt, die nach Hanfszene aussehen. Hier stehen sogar noch einige Zelte, scheinbar haben Menschen im Park übernachtet um garantiert nichts zu verpassen. T-Shirts mit Aufschriften von ACM, DHV und Hanfparade lassen auf jeden Fall keinen Zweifel: Hier bin ich richtig. Es ist erst 14 Uhr und alle rechnen für 16:20 Uhr mit der Ankunft von Oliver. Ich berichte von meinen Beobachtungen und dem eindeutigen Gespräch mit der Polizei. Die ganze Gruppe philosophiert intensiv über den möglichen Ablauf des Tages. In einem Punkt herrscht Einigkeit: Wir sind nicht vor Ort um Haschisch zu kaufen, sondern um Oliver zu beschützen. Wie das möglich sein könnte, dazu gibt es verschiedene Ideen. Einige Leute ziehen mit selbstkopierten Flyern los, um die restlichen Park Besucher über die Vorgänge zu informieren. Gegen 15 Uhr sind bereits mehrere hundert Oliver Fans auf einem Haufen versammelt und auch im Rest des Parks gibt es viele Kiffer, die jetzt über die Vorgänge informiert sind.

So warten also alle gespannt auf irgendein Zeichen oder eine Ansage, was zu tun sei. Womöglich kommt Oliver gar nicht bis zum Park? Die Zweifel sind groß. Plötzlich ruft jemand etwas. „Oliver hat ein Bild auf Facebook gepostet. Er steht mit seinem Wohnmobil am Haupteingang und die Polizei durchsucht das Fahrzeug!“ Auf einmal entsteht Bewegung. Alle machen sich auf den Weg und ich schließe mich an. Am großen Eingang sind mittlerweile mehrere dutzend Beamte versammelt. Einige stehen als Kette im Eingang und lassen niemanden durch. Andere durchsuchen das Fahrzeug von Oliver. Naja man sollte eher sagen: Sie bauen es auseinander. Auf der Straße liegen Autoteile und Innenverkleidungen des bunten Legalisator Mobils. Ein Hund wird immer im Kreis um das Fahrzeug herumgeführt und wedelt aufgeregt mit seinem Schwanz. Oliver steht relativ gelassen daneben und auch viele Schaulustige von der Straße beobachten das Schauspiel, während ich und die anderen Hanffreunde aus dem Park von der Polizei nicht zum Schauplatz des Geschehens durchgelassen werden. Das wollen wir uns aber nicht bieten lassen.

Mit ein wenig sanftem Druck und etwas süßem Rauch ist die dünne und demotiviert wirkende Polizeikette schnell durchbrochen. Wir strömen langsam und friedlich zu Oliver, den Schaulustigen und dem halb zerlegten Fahrzeug. Ich stehe neben einem der Beamten und höre wie er ins Funkgerät spricht:

„Da ist nichts im Auto, wir haben jetzt 3 mal gesucht. Ja. Die Hunde schlagen alle an aber da ist nichts… Ja, natürlich. Ich melde mich wieder “
Danach geht der gleiche Beamte zu Oliver und sagt:
„Sie können jetzt weiterfahren. In den Park dürfen sie allerdings nicht mit ihrem Wohnmobil, da dürfen keine Fahrzeuge rein.“

Oliver nickt und deutet auf die vielen Fahrzeugteile auf der Straße: „Was ist jetzt damit?“

„Das können sie wieder einräumen. Schönen Tag noch“

Oliver nickt wieder. Nichts anderes war zu erwarten gewesen. So helfen einige der der Umstehenden ihm beim Einräumen der Einzelteile während von allen Seiten Fragen auf Oliver einprasseln:

„Wo ist denn jetzt das Hasch?“
„Wieviel krieg ich für 10 Euro?“
„Hast du alle Sorten die auf dem Plakat sind?“

Oliver lächelt nur sanft und räumt seine Sachen ins Fahrzeug. Die Innenverkleidung wird nicht befestigt, sondern einfach ins Fahrzeug gelegt. Nur an der Anlage schraubt Oliver noch ein wenig herum und bringt sie wieder zum laufen. Die Polizei bleibt in der Nähe und Oliver erhebt kurz seine Stimme:

„Bitte folgt mir jetzt einfach. Vertraut mir. Ich fahre voraus.“

Mit diesen Worten steigt er in sein Legalisator Mobil und macht die Musikanlage an. Ein fetter Bass ertönt und die Menschen fangen an im Takt zu wippen. Das Mobil setzt sich in Bewegung und die stetig anwachsende Meute folgt. Die Menge ist schwer zu überschauen, aber die kleine Straße ist auf jeden Fall sehr voll. Auch die Beamten haben weitere Verstärkung bekommen und laufen an der Seite mit. Das Mobil erreicht den nächsten Eingang des Parks, der allerdings mit niedrigen Pollern gegen Einfahrer geschützt ist. Die Musik geht aus und Oliver steigt aus dem Fahrzeug und deutet mit seinem rechten Arm darauf:

„Bitte, Leute. Der Legalisator muss in den Park! Ihr seid viele hundert Menschen. Der Legalisator wiegt gerade mal 2 Tonnen. Ihr könnt das schaffen. Ich bin tausende Kilometer aus Marrokko angereist. Jetzt darf es nicht an den letzten Metern scheitern. Hebt ihn hoch!

Sofort stürmen bereitwillige Träger an die Seiten des Fahrzeugs. Die Polizisten gucken leicht irritiert und ein Beamter spricht sofort Oliver an. Auch getragen dürfe das Fahrzeug nicht in den Park hinein…

„Dann geben sie mir halt die Ordnungswidrigkeitsanzeige, ich zahle dann per Rechnung, sie haben ja meine Anschrift. Wenn die Menschen es schaffen dieses Fahrzeug in die Luft zu heben, dann müssen sie den Willen der Menschen auch mal akzeptieren. Wir sind hier in Kreuzberg!“

Mit diesen Worten lässt Oliver den verdutzten Beamten stehen und geht zu der Meute, die etwas unbeholfen am Legalisator herumspielt.

„Alle gleichzeitig bei drei!“ ruft er laut.

„Eins“
„Zwei“
„Und drei!“

Der Legalisator hebt sich unter der Kraft mehrerer dutzend hochmotivierter Kiffer in die Luft. Die Polizisten stehen noch im Weg, werden aber von anderen Leuten weggedrängt und dadurch von gefährlichen Eingriffen in diesen komplizierten Vorgang abgehalten. Langsam und vorsichtig lotst Oliver die Gruppe mit dem schwebenden Legalisator über die Eingangspoller hinweg und lässt das Mobil wieder absetzen. Unter dem Jubel der Menschenmenge steigt Oliver in sein Fahrzeug. Die Polizisten folgen weiter am Rande und beraten sich untereinander über das weitere Vorgehen. Ein übermütiger Kiffer geht mit brennendem Joint zu der Truppe und fordert die Beamten auf, jetzt endlich nach Hause zu gehen. Das sei hier schließlich der Görli und er wolle jetzt auch endlich mal richtig gutes Haschisch rauchen.

„Nicht immer nur dieses Kunstlicht Gras. Nie wieder Kunstlicht!“

sagt er und fuchtelt mit seinem halb gerauchten Joint vor den leicht genervten Beamten rum. Bevor diese sich zum Zugriff entschließen, rennt der junge Mann wieder zurück in die Menschenmenge, ich rieche nur die Graswolke die er hinter sich lässt. Aber die Menschenmenge hat den Kampfspruch des Tages gefunden:

„Nie! Nie! Nie wieder Kunstlicht!“

und

„Wir wollen Haschisch“

rufen die Leute jetzt, während das Legalisator Mobil in Richtung Mittelpunkt des Parks fährt. Die üblichen Händler weichen im Angesicht dieser Prozession kurzzeitig aus und beobachten das Geschehen aus einiger Entfernung. Am Rande der großen Kuhle in der Mitte des Parks bleiben die Polizisten dann plötzlich zurück und verteilen sich rund um den Trichter in größeren Gruppen. Einige Beamte lächeln bewundernd ob des gerade erlebten. In der Mitte angekommen, spricht Oliver erneut zu den Menschen:

„Leute, ich bin voll glücklich das wir hier angekommen sind. Ich muss jetzt kurz mal hier im Legalisator verschwinden. Ich mache euch solange Musik an und hoffe ihr feiert schön ne kleine Party und dann gehts hier bald richtig los!“

Er schließt die Tür seines Mobils hinter sich, verhängt die Fenster und der laute Goa Sound ertönt aus den Boxen. Niemand weiß genau was jetzt passieren wird, aber es ist sowieso Fete de la Musique und die Stimmung ist nach dem erfolgreichen Transport des bunten Legalisator Mobils natürlich blendend. Die Polizei steht in genügender Entfernung, so dass sich niemand wirklich gestört fühlt. Ich sehe viele Menschen am kiffen und baue selber auch noch einen Joint von meinem mitgebrachten Gras. Die Spannung ist groß und es gibt viele Teilnehmer die sich neugierig untereinander über verschiedene Theorien austauschen, was Oliver im Bus grade so machen könnte. Viele sehen das ganze aber auch eher als Happening und tanzen beschwingt aber leicht desinteressiert zur Musik. Nach über einer Stunde wird die Musik wieder leiser. Eine Stimme ertönt durch die Lautsprecheranlage. Leicht verzerrt, aber es ist eindeutig Oliver.

„Ich kann von hier drinnen nicht viel sehen. Eine Frage: Sind Polizisten hier in direkter Nähe?“

„Neeeeiiiin“ antwortet die Menschenmenge

„Ok, dann passt auf. Bitte macht jetzt eine dreifache Menschenkette rund um unsere ganze Gruppe hier. Jetzt gibt es nur noch drinnen und draußen. Alle Menschen innerhalb unserer Gruppe die irgendwie unpassend, nüchtern oder unfreundlich aussehen versucht ihr einfach zu umarmen und bietet ihnen einen dicken Joint an – oder eine Zipsy. Wer eins von beidem ablehnt ist potentieller Polizist oder Ganove und hat in unserem Menschenkreis nichts verloren! Solche Menschen könnt ihr ruhig weg schicken. Die sollen raus aus unserem Kreis. Alle anderen genießen jetzt den Schutz der Menge.“

Rund um die mittlerweile recht große Gruppe bilden sich also langsam Ketten und manche Teilnehmer in der Mitte sprechen plötzlich miteinander und umarmen lachend ihre Nachbarn. Zwei großgewachsene und eindeutig zu nüchterne Männer mittleren Alters werden unter lautstarken Beschimpfungen und in Begleitung diverser Kameras aus dem Kreis heraus befördert. Sie lachen nicht, sondern laufen schnurstraks zu ihren uniformierten Kollegen am oberen Wegesrand.

Ich stehe nach einigen Umarmungen und ein paar spendierten Joints weiter in der Menschenmenge und warte gespannt auf das, was da kommen soll. Wenn er jetzt wirklich etwas im Fahrzeug versteckt hatte? Aber das kann gar nicht sein, der Wagen wurde doch zig Mal durchsucht! Plötzlich öffnet ein lächelnder Oliver die Tür seines Legalisator Mobils…

Ich wache schweißgebadet auf. Ich habe Dinge getan, die ich im echten Leben niemals tun würde. Auf meinem Handy lese ich das Datum: 14. Juni. Oliver ist noch nicht da.

Es war alles nur ein verrückter Traum…

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Kategorien: Private Erlebnisse

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8 Gedanken zu „21.Juni 2014 – Just a dream

  1. Hanfologe

    .. und was bleibt, ist heisse Luft.
    Im Traum und im realen Leben.

    • „Die Hanfologen“ glauben an Oli! Lasst es keinen Traum bleiben! Aber wundert mich schon wer der andere „Hanfologe“ über mir ist 😉 meld dich doch mal wen du schon den gleichen Namen nutzt 😉
      -Dennis

    • Hanfologe

      Es kann nur einen geben 😉

      Die Wahrscheihnlichkeit, dass Oli in den Park kommt und Hasch verkauft ist genauso gross, wie sein Vorhaben an diesem Tag gleichzeitig in Rabat und Berlin zu sein und zum deutschen Kaiser (sic!) gekrönt zu werden.

      Ja. Verdammt.. Cannabis kann Psychosen triggern. Wünsche Oli, das es keine ist, sondern einfach nur Dummschwätzerei..

    • Auch andere Substanzen können Psychosen triggern.

  2. Bert

    mmmmh…alles gelesen und so schlau wie vorher. Glaubst du jetzt dran oder nicht? 😉

  3. Ein schöner Traum, groooveman!
    Ich träume mit Dir!

  4. passopp

    Unglaublich, wie die Deutschen durch ihre Regierung konditioniert wurden. Sogar im Traum habt ihr Panik, nicht der geltenden Ordnung zu entsprechen (egal, wie falsch deren Auslegung auch ist). The perfect citizen…

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