Cannabisprohibition im Vergleich

Eines der Konfliktthemen, die gelegentlich unter LegalisierungsbefürworterInnen auftauchen, ist die Frage womit man die Situation der Cannabiskonsumenten vergleichen kann.

Dieser Konflikt tritt meist dann auf, wenn einzelne Personen die staatliche Verfolgung von Kiffern mit der staatlichen Verfolgung von Juden im Dritten Reich vergleichen. Dieser Vergleich liegt nahe, wenn man sich selber ständig verfolgt fühlt, den Job verliert, das Telefon abgehört wird und manche sogar im Gefängnis landen. Manch ein Kiffer wird mehr als nur stigmatisiert, es geht um staatliche Kriminalisierung und de Facto um eine Verneinung unseres Existenzrechtes durch den Staat. Insofern erscheint der Vergleich manch einem gerechtfertigt.

Bei genauerer Betrachtung ist dies jedoch Blödsinn, und es ist gefährlicher Blödsinn da dieser Vergleich (meist ungewollt) auch eine Relativierung der Grausamkeiten des Holocaust darstellt. Die Verfolgung der Juden im Dritten Reich gipfelte jedoch nicht nur im staatlich organisierten Mord an vielen Millionen Menschen, sondern sie war von Anfang an auf eine intensive Verfolgung und Auffindung der Juden gerichtet, und insofern schon strukturell völlig anders angelegt als die Cannabisprohibition in Deutschland.

Tatsächlich haben nämlich Kiffer in Deutschland sehr wohl ein Existenzrecht – sie dürfen sich nur nicht bei Straftaten erwischen lassen. Da liegt ein großer Unterschied, und dieser Unterschied ermöglicht es uns, selber für unsere Sache einzutreten. Niemand wird eure Wohnungstür eintreten, nur weil ihr euch öffentlich Pro-Cannabis äußert, wir brauchen also keine US-Army, die die Gefängnisse stürmt um die Kiffer zu befreien, sondern wir müssen selber die Sache in die Hand nehmen und unsere Meinung verbreiten!

Und das bringt mich zu einem in vielerlei Hinsicht besseren Vergleich für unsere Situation: Die Verfolgung von Homosexuellen.

Lange Zeit, noch bis in die späten 60er Jahre hinein, war Unzucht mit Männern in Deutschland grundsätzlich ein Straftatbestand. Zehntausende Männer wurden tatsächlich deswegen verurteilt, die Strafen reichten von Geldstrafen bis hin zu kurzen Freiheitsstrafen. Im Laufe der Zeit wurde dann der Paragraph 175 entschärft, und erst 1994 ersatzlos gestrichen. Gleichzeitig fand ein enormer gesellschaftlicher Wandel statt, das Thema Homosexualität wurde enttabuisiert und immer mehr in die Öffentlichkeit gebracht. Trotzdem haben viele Deutsche heute noch große Vorurteile und Ängste gegenüber Homosexuellen und ganz besonders homosexuellen Männern, so dass es der Schwulenbewegung an Arbeit auch für die nächsten Jahrzehnte sicherlich nicht mangeln wird, ähnlich wie bei der Cannabisbewegung in Washington und Colorado, wo Cannabis legalisiert wurde.

Denn: Dieser gesellschaftliche Wandel, die Freiheit die viele Homosexuelle heute in Deutschland genießen können, wurde in erster Linie durch eine aktive politische und kulturelle Bewegung geschaffen, durch viele tausend Briefe, Outings, Demonstrationen, Aktionen, Bücher, Filme, Presseberichte usw. Und genau diesen Weg können wir auch gehen! Wir müssen uns nur klar sein, dass die Bedeutung dieses Themas für uns so groß ist, das wir nicht bereit sind weiter zu zuschauen, wie gegen unsere Interessen Politik gemacht wird. Wir müssen erkennen, dass wir auch dann Betroffene dieses Gesetzes sind, wenn wir es erfolgreich schaffen uns davor zu verstecken, oder wenn wir gerade nicht aktiv konsumieren.

Der Vergleich zwischen der Verfolgung von Homosexuellen in der BRD und der Verfolgung von Cannabiskonsumenten bringt also deutlich mehr Ähnlichkeiten, als ein Vergleich zu den deutlich dramatischeren und brutaleren Vorgängen im dritten Reich. Hier nochmal die von mir festgestellten Überschneidungen, ich freue mich über Ergänzungen eurerseits:

  • Sowohl der homosexuelle Akt als auch der Akt des Cannabisbesitzes sind kein fremdschädigendes Verhalten
  • Homosexuelle konnten sich theoretisch gut verstecken bzw. zwei getrennte Leben führen.
  • Sie konnten in manchen Städten auch lange Zeit sehr offen leben, um dann an einem Tag plötzlich und überraschend in eine Razzia zu geraten.
  • Die Diskriminierung war nicht nur staatlich organisiert, sondern auch gesellschaftlich weit verbreitet.
  • Die Liberalisierung entwickelte sich regional unterschiedlich, in den Städten schneller als auf dem Land.
  • Homosexuelle bekamen wie Cannabiskonsumenten Geld- und Freiheitsstrafen.
  • Homosexuelle haben ihre eigenen Demonstrationen und Vereine organisiert, um ihr Thema selber aktiv in die Öffentlichkeit zu bringen.
  • Der Christopher Street Day ähnelt mit seinem weltweiten Ansatz dem Global Marijuana March.

Unterschiede gibt es natürlich auch:

  • Die heutigen Strafen für Cannabishandel und Anbau übertreffen die früheren Strafen für Unzucht mit Männern deutlich.
  • Wer homosexuell ist, begreift meist schnell dass er dies ein Leben lang sein wird. Kiffer dagegen rechnen meist damit, sowieso irgendwann aufzuhören.
  • Sexualität ist tatsächlich fester verwurzelt und scheint weniger leicht zu unterdrücken als Substanzkonsum.
  • HIV brachte dem Thema Homosexualität einen enormen Auftrieb, der die Entstehung vieler Initiativen und Vereine begünstigte. Die wachsende Diskriminierung von homosexuellen HIV-Kranken führte zu wachsender Empörung, auch bei Unbeteiligten.

Ich hoffe in Zukunft seltener mit dem Juden-Vergleich konfrontiert zu werden, er ist nicht nur falsch sondern er relativiert auch die dramatischen Ereignisse des Holocaust. Wie anfangs schon geschrieben: Ich kann menschlich verstehen wenn einige sich so schlimm behandelt fühlen, dass sie meinen diesen drastischen Vergleich wählen zu müssen. Aber es ist einfach nicht richtig! Und es gibt bessere Vergleiche, die man ziehen kann. Allen vorran natürlich die Alkoholprohibition in den USA, aber das wäre ein ganz eigenes Thema.

In diesem Sinne: Einen guten Rutsch und vielen Dank fürs Lesen.

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11 Gedanken zu „Cannabisprohibition im Vergleich

  1. Gerd50

    Hi groooveman,

    viel Erfolg mit deinem Blog wünsche ich dir 🙂

    Mir ist sofort etwas aufgefallen, was ich gerne diskutieren würde. Du schreibst:

    „Die Liberalisierung entwickelte sich regional unterschiedlich, in den Städten schneller als
    auf dem Land.“

    Dasselbe galt für die anti A-Kraft Bewegung in den 70er und 80er Jahren. In urbaner
    Umgebung wurde der Widerstand geboren und von dort aufs Land getragen. Ohne
    diese Hilfe hätte sich auf dem Land, wo die Kraftwerke stehen, nichts bewegt.

    Ich fürchte, das eine Hanfbewegung auf dem Land ohne Unterstützung aus den
    städtischen Zentren nicht zu organisieren ist. Wer sich auf dem Land engagiert,
    macht es in der Regel auch für andere Themen und ist bekannt. Beim Thema
    Hanf hält man sich dann lieber zurück, um nicht unnötig ins Fadenkreuz von
    Ermittlungen zu geraten. Hilfe von außen könnte m.E. dazu beitragen, auch auf dem
    Land etwas zu bewegen.

    ‚Kiffer räumen auf‘ du erinnerst dich? Als ich das im DHV Forum thematisierte,

    http://hanfverband.de/forum/viewtopic.php?f=19&t=395

    hoffte ich, das sich Stadt und Land ein wenig verschweißen lassen. Das hat bisher
    nicht geklappt, doch ich bleibe dran. Ich hoffe, das sich im Laufe der Zeit mehr Ideen
    ergeben, wie man bewegungsmäßig auch ländliche Umgebungen erreichen kann.

    • Ja, sicher erinnere ich mich. Schöne Aktion damals von dir.

      Die Vernetzung von Stadt und Land funktionierte in der Anti-AKW Szene sicherlich auch deshalb so gut, weil es konkrete Reiseziele gab, die durch Berichte in den Medien automatisch bundesweit beworben wurden. (Brokdorf, Gorleben etc.) Derartige Kristallisationspunkte gibt es für die Hanfszene nicht, es gibt kein Großprojekt an einem bestimmten Ort gegen das wir uns einsetzen könnten. Daher bleibt erstmal nur das Reisen zur Hanfparade, die wir auch noch selber bewerben müssen…

  2. bushdoctor

    Hallo groooveman,

    Gratulation zu Deinem neuen Blog! Mach bitte weiter so!

    Zum Thema „Vergleich: Homosexualität – Cannabis“ möchte ich noch folgenden Abschnitt zitierten, den ich schon in einem „Brainstorming“ zum Thema „Brief an den Bundespräsidenten“ formuliert habe:

    Auch die Bundesrepublik Deutschland blickt mit der Kriminalisierung der „männlichen Homosexualität“ im §175 StGB, der noch aus der Zeit des Nationalsozialismus stammt und erst 1969 reformiert wurde, auf keine rumreiche Geschichte zurück, was die strafrechtliche Verfolgung „andersartiger“ angeht. Das Bundesverfassungsgericht stufte noch im Jahre 1957 den § 175 StGB in der Fassung von 1935 als „ordnungsgemäß zustandegekommen“ ein. Er sei nicht „in dem Maße nationalsozialistisch geprägtes Recht“, dass ihm „in einem freiheitlich demokratischen Staate die Geltung versagt werden müsse“. Die Verfassungsrichter urteilten: „Gleichgeschlechtliche Betätigung verstößt eindeutig gegen das Sittengesetz.“. Hieran kann man sehr schön erkennen, wie „schnell“ sich auch die „verfassungsrechtlichen Normen“ ändern können. Die Homosexualität ist übrigens erst seit 1994 völlig straffrei. Aus heutiger Sicht ist das lächerlich, für viele Betroffene und damals Verfolgte war es bittere Realität!

    • Danke für die Zusatz-Infos.
      Tatsächlich finde ich den Vergleich gerade deshalb so interessant, weil es BRD-Politiker, Richter und Journalisten waren, die die staatliche Verfolgung von Homosexuellen jahrzehntelang billigten. Es sollte also an Hand dieses Beispiels eigentlich jedem klar werden, dass auch in unserem „freien und demokratischen Rechtsstaat“ unmenschliche Gesetze gelten können.

  3. Juergen

    Der Vergleich mit dem Holocaust mag für dich nicht passend sein, oberflächlich betrachtet gibt es ja auch keine Parallelen dazu, aber bei genauerem Betrachten sollten dir zwei Dinge auffallen. Rufe dir mal die Zahl der Toten vom WWII ins Gedächtnis und dann rechne hoch ab dem Jahre 1974, die Zahl der Todesfälle durch

    – Krebs
    – Diabetes mellitus
    – … da gibt es bestimmt noch was anderes was durch einen regelmaessigen moderaten Cannabiskonsum erst gar nicht entsteht an Krankheiten.

    So, jetzt vergleiche mal die Zahlen. Die Toten des WWII sind nichts im Vergleich mit den Toten die unnötig qualvoll sterben mussten seit 1974, weil Cannabis verboten wurde und zwar durch die gleiche Art von Menschen, die auch den WWII vom Damm brachen, bösartige eben.

    Deshalb muss ich jetzt hier bei dir mal was loswerden hinsichtlich der leidigen Cannabisprohibition, ich hoffe du profitierts davon und kannst es in der Politik umsetzen.

    Grundsaetzlich: Die Verweigerung von Cannabis durch das Prohibitions-Gesetz (BtMG) verursacht vorsätzlich Leiden, Blindheit und fuehrt in vielen Fällen zu einem qualvollen Tod.

    Somit sind bzw werden diejenigen, die weiterhin das Verbot der Verwendung von lebensrettenden Cannabis als „illegal“ zu halten betrachten, hoffentlich bald behandelt wie Täter des schwersten Verbrechens und werden als ungeeignet angesehen ein öffentliches Amt in einer demokratischen Gesellschaft zu fuehren.

    Die Cannabis Prohibition ist der größte Betrug aller Zeiten: die schädlichen Auswirkungen dieses Verbrechens sind eine Myriade, extrem und allgegenwärtig.

    Der interessierte Mensch wird assimilieren, dass die Prohibition die direkte Ursache ist für:

    KRIEG;
    Kriminalität;
    astronomische Welt Energie-, Ressourcen-und Nahrungsmittelpreise, mit verheerenden und mörderischen Korollaren Effekten;
    Armut in der Welt, Hungersnot;
    Industrie-und Autoabgase vergiften die Atemluft;
    photochemischer Smog und saurer Niederschlag;
    Wüstenbildung , der Treibhauseffekt, globale Erwärmung und tödliche Wetterkatastrophen.

    All dass zeigt auf das die „Wiederherstellung“ die unmittelbare wissenschaftliche Lösung ist, hierzu muss Cannabis aus allen internationalen und nationalen Regulierungen genommen werden, hierzu gehoert zunaechst die Streichung aus dem BtMG.

    Derzeit wird ja noch gerne der Begriff „Droge“ verwendet um Cannabis zu beschreiben, das ist nicht nur einfach falsch, nein schlimmer noch, das ist die semantische Missbrauchstaktik und die vorsätzliche Annahme einer gewissenlosen Prohibitionisten-Taktik. Mit diesem hinterhältigen Trick soll das milde, gutartige Cannabis mit potentiell gefährlichen, Suchtmitteln und Drogen – von denen Alkohol eine solche ist – in einen Topf geworfen werden, damit Cannabis als vergleichbar schädlich erscheint.

    Hingegen die offiziellen empirischen Untersuchungen bestätigen, das dies nicht so ist, denn Cannabis – ist das einzig gutartige Kraut.

    Die offiziellen Empirischen Studien, welche die tatsächliche Verwendung von Cannabis analysierten, lassen folgende Schlüsse zu:

    1) die Verwendung von Cannabis hat keinerlei negativen Auswirkungen auf die psychische oder physische Gesundheit: Cannabis ist harmlos;

    2) die Verwendung von Cannabis verursacht keinerlei Beeinträchtigung der geistigen und körperlichen Fähigkeiten: Cannabis ist sicher;

    3) Moderne Medizinische Fallstudien belegen das Cannabis zahlreiche positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat: Cannabis ist gutartig, es heilt gar vom bösartigen Krebs, wenn es den richtig angewendet wird.

    Kurz gesagt, alle Vorwürfe aufgrund derer Cannabis (national und international) verboten ist, vor allem die angebliche „Schädlichkeit“, wurden durch uneigennützige wissenschaftliche Überprüfungen nicht bewahrheitet:

    Der Vorwurf der „Schädlichkeit“ ist kompetent, umfassend und konsequent widerlegt worden. Die Vorwürfe sind somit nichts als Hirngespinste. Das somit völlig unbegründete „Gesetz“ ist schon immer falsch gewesen, die Prohibition ist ein fortlaufender Betrug; die gesamte Strafverfolgung der „Vergehen“ die durch Bürger begangen werden und die mit Cannabis in irgendeiner Verbindung stehen ist einzigst bösartig.

    Die weitere Duldung des Verbotes durch bestimmte Menschen ist infam und tödlich, den einzigst ihr unehrenhaftes Eigeninteresse produziert ihre Doppelzüngigkeit. Sie entziehen sich ihrer Schuld der immanenten Machtposition, wodurch die Regierung erst das Verbot einfordern kann, somit können die Industrie und Politiker das Leiden, die Inhaftierungen, die Todesfälle und ökologischen Katastrophen ausnützen.

    Wer jedoch solchen Maßnahmen zustimmt, der muss die Verantwortung für ihre Ergebnisse auch teilen.

    Das einst „gutgemeinte Gesetz“ ist nicht einfach nur „falsch“, nein es dient den Kriminellen gar als Zuflucht.

    Die wahren menschlichen Absichten, schuldig oder nicht schuldig, werden einzig durch ihr Verhalten offensichtlich: Egoistische und unehrliche Individuen, die durch Geldmotive gesteuert sind, werden voraussichtlich einer Re-Legalisierung nicht zustimmen, wohingegen ehrliche Personen die Wiederherstellung unterstützen werden.

    Ich bin in der Verfassung mit absoluter Gewissheit, welche sich auf das Wissen und die Autorität der modernen offiziellen Empirischen Studien über Cannabis der letzten hundertfünfzig Jahren bis in die Gegenwart (seit 1839 O’Shaughnessy) stützt, zu sagen dass alle Rechtsvorschriften die zur Cannabis Kontrolle dienen, in betrügerischer Absicht erfolgt sind.

    Folglich sind alle mit dem Gesetz verbundenen Handlungen, ob das die passive Duldung oder aktive Unterstützung des Gesetzes ist, sei das die Strafverfolgung durch die Justiz, die Polizei und den Strafvollzug, aus sich selbst heraus bösartige Verbrechen.

    Wenn nicht schon vorher, wird von nun an ein Jeder in der Lage sein, das Motiv hinter der kalkuliert gestreuten Fehlinformation zu sehen, wie etwa wenn Politiker behaupten es sei noch „ungenügend“ Forschung hierzu vorhanden.

    Der Stand des Wissens über das Kraut ist reich an medizinisch-wissenschaftlichen Untersuchungen, so vielen, dass Cannabis wohl zu den durch die Menschheit am besten erforschten Pflanzen gehört.

    PUNKT und AMEN.

    • Du solltest bedenken, dass nicht nur die Cannabisprohibition eine Myriade von versteckten Toten mit sich zieht, sondern auch der WWII durchaus noch viele indirekte Opfer hatte, wenn man ein bißchen hypothetisch rumspinnt.

      Im übrigen bin ich nach jahrelanger Beschäftigung mit dem Thema zu der Überzeugung gelangt, dass die Prohibitionisten zu großen Teilen gute Absichten haben. Sie wollen keine Drogen, und deswegen wollen sie sie verbieten. Dass das eine kontraproduktive Politik ist, müssen sie erstmal verstehen, es erscheint vielen erst einmal sehr unlogisch wenn man ihnen das erklärt.

  4. Auch von mir viel Erfolg für Dein Blog. Schön zu sehen, das immer mehr Befürworter einer Legalisierung nun publizistisch tätig werden.

    Dein erster Artikel gefällt mir sehr gut. Und er gibt Anlass zu Diskussion. Ich stimme Deiner Einschätzung zu. Abgesehen davon, dass man sich über Vergleiche mit der Judenverfolgung nicht zu unterhalten braucht – diese sind in Deutschland immer ein No-Go, ist der Vergleich mit der Emanzipation der Homosexuelle natürlich sehr treffend.

    Was im ersten Kommentar bzüglich der Anti-AKW-Bewegung gesagt wurde, stimmt noch viel eher für die Schwulen-Bewegung (dort ist es übrigens heute noch so, wogegen die Anti-AKW-Bewegung nun auch auf dem Land sehr stark ist/war). In den urbanen Zentren, den Großstädten ist es leichter schwul zu leben. Sicher ist es dort, für Leute die nicht anbauen, auch leichter als Kiffer seine Infrastruktur zu finden.

    Politischer und gesellschaftlicher Aktivismus, wie Du sagst auch durch Filme, Bücher, Demonstrationen, Presseberichte und Aktionen halte ich auch für den richtigen Weg. Zu Outings stehe ich sehr kritisch – ich denke das muss man jedem selbst überlassen.

    Du schreibst: „Sexualität ist tatsächlich fester verwurzelt und scheint weniger leicht zu unterdrücken als Substanzkonsum.“

    Nun ja – da gibt es ja auch große Unterschiede. Für Sexualität braucht man nur einen anderen, gleichgesinnten, Menschen. Diese zufällig zu treffen ergibt sich leichter, als das man zufällig einen Dealer trifft. Alles andere ist ebenfalls mit mehr Aufwand verbunden als der Sexualakt. Für Sex muss man (außer bei Prostituierten) nichts bezahlen. Zudem war der Sex trotz Verbot nicht schlechter – bei Drogen sieht das anders aus.

    Gleich ist die erhöhte Gesundheitsgefahr durch die Illegalität. Allerdings hat Aids in Punkto Cannabis gar nichts gebracht – da Kiffer logischerweise nicht davon betroffen sind. Bei den Heroin-Abhängigen hat es nur zum freien Verkauf von Spritzen in Apotheken und an Automaten geführt – an der Illegalität hat es nichts geändert.

    Die Welle der Blei-Vergiftungen in Leipzig und Umgebung vor einigen Jahren wurde ja auch einfach so hingenommen.

    Bislang prallt jedes vernünftige Argument an bisher jeder Bundesregierung ab. Dabei ist kiffen doch längst Mainstream. Die Aufbruchstimmung, die in diesem Jahr spürbar wurde, stimmt mich jedoch optimistisch.

    Weiter so!

  5. Juergen

    Zitat :
    „Du solltest bedenken, dass nicht nur die Cannabisprohibition eine Myriade von versteckten Toten mit sich zieht, sondern auch der WWII durchaus noch viele indirekte Opfer hatte, wenn man ein bißchen hypothetisch rumspinnt.“

    Das habe ich absolut bedacht und es kommt immer noch nicht an die Zahlen ran die die Prohibition verursacht !

    Zitat :
    „Im übrigen bin ich nach jahrelanger Beschäftigung mit dem Thema zu der Überzeugung gelangt, dass die Prohibitionisten zu großen Teilen gute Absichten haben. Sie wollen keine Drogen, und deswegen wollen sie sie verbieten. Dass das eine kontraproduktive Politik ist, müssen sie erstmal verstehen, es erscheint vielen erst einmal sehr unlogisch wenn man ihnen das erklärt.“

    Na das nenne ich mal eine seltsame Art der Argumentation, wie waere es grooveman85, wenn du es mal damit versuchst meinen Kommentar aufmerksam zu lesen und versuchst ihn auch nur ansatzweise zu verstehen, dann loest sich deine Annahme einfach auf:

    Derzeit wird ja noch gerne der Begriff “Droge” verwendet um Cannabis zu beschreiben, das ist nicht nur einfach falsch, nein schlimmer noch, das ist die semantische Missbrauchstaktik und die vorsätzliche Annahme einer gewissenlosen Prohibitionisten-Taktik. Mit diesem hinterhältigen Trick soll das milde, gutartige, ja heilende Cannabis mit potentiell gefährlichen, Suchtmitteln und Drogen – von denen Alkohol eine solche ist – in einen Topf geworfen werden, damit Cannabis als vergleichbar schädlich erscheint.

    Scheint nicht angekommen zu sein bei grooveman85 das Cannabis einzig und allein gutartig ist, die reinste Medizin.

    • Lieber Jürgen,

      Viele Gründe, die Du für die Legalisierung von Cannabis anführst, gelten auch für andere Drogen. Terroristische Gruppen wie Al Kaida leben vor allem von der Schlafmohn-Produktion in Afghanistan (dass sich viele Geheimdienste auch so mitfinanzieren, steht nochmal auf einem anderen Blatt), bei der FARC in Kolumbien ist es die Kokapflanze. Die Mafia (und darunter darf man sich heute keine Italiener in Hinterzimmern von Bordellen mehr vorstellen) profitiert ordentlich davon. Sie ist mit dem internationalen Finazwesen verknüpft. Das alles ist heute hochkomplex und lange schon, großteils unbemerkt von den Verantwortlichen, miteinander verzahnt. Die öffentliche und legale Wirtschaft (samt deren Einfluss auf die Regierenden) und die Schattenwirtschaft. Das ist auch keine Verschwörungstheorie – daher schreibe ich ja auch: „teils unbemerkt von den Verantwortlichen“. Das sind einfach negative Synergieeffekte.

      In diesem Zusammenhang lege ich Dir sehr den Film: „Breaking the Taboo“ ans Herz: http://antonioperi.wordpress.com/2012/12/11/dokumentation-breaking-the-taboo-und-die-un-petition-end-the-war-on-drugs/

      Cannabis als absolut harmlos einzustufen, ist meiner Ansicht nach, auch nicht völlig richtig. Natürlich gibt es Leute, die damit ein Problem bekommen – wie mit anderen Drogen auch. Das zu leugnen ist auch falsch. Es geht aber gar nicht darum, ob eine Substanz bei ausuferndem Konsum negative Auswirkungen hat. Mein Blog z.B. ist ganz klar der Drogenpolitik an sich gewidmet. Und das bedeutet allen Drogen bzw. dem BtMG an sich. Cannabis ist ein erstes, realpolitisch erreichbares Ziel – mehr nicht. Mir geht es letztlich um die Legalisierung aller Drogen bzw. ein völliges Umdenken in der Drogenpolitik – und damit auch im Verhältnis: Staat – Bürger.

      Damit ist natürlich nicht gemeint, dass es Heroin oder Kokain im Supermarkt geben soll.

    • Juergen

      Hallo Antonio,

      auch du solltest meine Beitraege genauer lesen und auf dich einwirken lassen, denn ich habe in diesen Fakten genannt, diese Fakten sind die Ergebnisse von offiziellen Empirischen Studien, welche die tatsächliche Langzeit-Verwendung von Cannabis analysierten, und diese lassen folgende Schlüsse zu:

      Cannabis – das einzigst gutartige Kraut

      1) die Verwendung von Cannabis hat keinerlei negativen Auswirkungen auf die psychische oder physische Gesundheit: Cannabis ist harmlos;

      2) die Verwendung von Cannabis verursacht keinerlei Beeinträchtigung der geistigen und körperlichen Fähigkeiten: Cannabis ist sicher;

      3) Moderne Medizinische Fallstudien belegen das Cannabis zahlreiche positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat: Cannabis ist gutartig, es heilt gar vom bösartigen Krebs, wenn es den richtig dosiert angewendet wird.

      Kurz gesagt, alle Vorwürfe aufgrund derer Cannabis (national und international) verboten ist, vor allem die angebliche „Schädlichkeit“, wurden durch uneigennützige wissenschaftliche Überprüfungen nicht bewahrheitet: Der Vorwurf der „Schädlichkeit“ ist kompetent, umfassend und konsequent widerlegt worden. Die Vorwürfe sind somit nichts als Hirngespinste. Das somit völlig unbegründete „Gesetz“ ist schon immer falsch gewesen, die Prohibition ist ein fortlaufender Betrug; die gesamte Strafverfolgung der „Vergehen“ die durch Bürger begangen werden und die mit Cannabis in irgendeiner Verbindung stehen ist einzigst bösartig.

      Eine meiner Quellen ist der offizielle Bericht, welcher den Regierungen der Erde seit 1998 vorliegt.

      Quelle: THE REPORT. CANNABIS: DIE FAKTEN, MENSCHENRECHTE UND DAS GESETZ
      ISBN 9781902848204.

  6. Neben der Schwulenbewegung ist auch noch die Aktion: „Ich habe abgetrieben“ zum § 218 zu nennen. Auch ein gutes Beispiel, dass von Erfolg und einer menschlicheren Gesetzgebung gekrönt war.

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