21.Juni 2014 – Just a dream

Oliver Becker
Ein lebhafter Traum über Oliver Becker, den Görlitzer Park und ganz viel Haschisch

Am Morgen des 21. Juni wache ich gut gelaunt auf. Es ist der Tag, auf den die Hanfszene in Berlin und ganz Deutschland schon seit Wochen gespannt wartet: Oliver Becker will im Görlitzer Park öffentlich Cannabis verkaufen.

Diese Tatsache alleine würde wohl noch nicht für solchen Aufruhr sorgen, aber Oliver verspricht die besten Haschischsorten aus Marrokko mitzubringen. Und er will nur an über 21 jährige verkaufen. Und er hat eine Gewerbeanmeldung. Das alles unterscheidet ihn von den normalen Händlern, die im Park Marihuana verkaufen. In den letzten Wochen hat sich die Berliner Polizei mehrmals eindeutig positioniert: Sie will seine Aktion nicht akzeptieren. „Der Görlitzer Park ist kein rechtsfreier Raum“, ließ sich ein leitender Beamter zitieren. Deutsche und internationale Medien berichteten bereits ausführlich über die geplante Aktion. Heute ist es also soweit. Die aufgeheizte Stimmung wird sich heute entladen, entweder in Form einer süßen Rauchwolke oder in Form von wütenden und enttäuschten Haschischfreunden. Vielleicht wird der 21.Juni irgendwann für Hanffreunde so etwas wie der Christopher Street Day der Schwulen, wer weiß?

Mit gespannter Erwartung schmiere ich mir einige Brötchen und packe meine Tasche. In meine Unterhose stecke ich noch ein Gramm Purple Kush. Für alle Fälle. Schließlich weiß niemand, ob und wie schnell Oliver wirklich zum Verkaufen seines Haschischs kommt. Grundsätzlich ist das auch egal: Der Tag wird sicherlich so oder so sehr lustig.

Ich mache mich also mit dem Fahrrad auf den Weg. Es ist bestes Juni Wetter. In Berlin findet an diesem Tag nebenbei noch das Fete de la Musique Festival statt. Auch im Görlitzer Park spielen Bands und dementsprechend voll ist es. Viele Famillien und Gruppen von Jugendlichen bevölkern den Park. An den Eingängen stehen wie üblich kleine Gruppen von Männern, die vorbeilaufende Menschen ansprechen, um ihnen Gras zu verkaufen. Auf den ersten Blick scheint alles wie immer, ein geschäftiges aber entspannt-friedliches Treiben. Ich will aber an diesem Tag kein Gras kaufen. Ich will Oliver Becker und das bunte Legalisator Mobil sehen.

Bei einer kurzen Runde um den Park sehe ich dann die Polizei. Auf einigen Bänken sitzen auffällig unauffällige, großgewachsene Männer und am einzigen Eingang der für Fahrzeuge passierbar ist, haben sich uniformierte Beamte postiert. Ich spreche die Uniformierten an und frage leicht scheinheilig nach, was sie denn genau da bewachen.

„So ein Typ will heute mit einem bunten Wohnmobil Drogen hier im Park verkaufen… Das werden wir verhindern.“

antwortet mir einer der Beamten. Auf meine lachende Nachfrage, was denn mit der gefühlten Hundertschaft von Drogenhändlern an den anderen Eingängen und in der Mitte des Parks sei, antwortet er nur mit einem leicht genervten Achselzucken und dreht sich weg. Ein Gespräch kann so nicht entstehen. Hier ist es mir zu langweilig und ich mache mich auf die Suche nach Hanffreunden, die wie ich auf Oliver warten.

In der Kuhle mitten im Park haben sich bereits einige Leute versammelt, die nach Hanfszene aussehen. Hier stehen sogar noch einige Zelte, scheinbar haben Menschen im Park übernachtet um garantiert nichts zu verpassen. T-Shirts mit Aufschriften von ACM, DHV und Hanfparade lassen auf jeden Fall keinen Zweifel: Hier bin ich richtig. Es ist erst 14 Uhr und alle rechnen für 16:20 Uhr mit der Ankunft von Oliver. Ich berichte von meinen Beobachtungen und dem eindeutigen Gespräch mit der Polizei. Die ganze Gruppe philosophiert intensiv über den möglichen Ablauf des Tages. In einem Punkt herrscht Einigkeit: Wir sind nicht vor Ort um Haschisch zu kaufen, sondern um Oliver zu beschützen. Wie das möglich sein könnte, dazu gibt es verschiedene Ideen. Einige Leute ziehen mit selbstkopierten Flyern los, um die restlichen Park Besucher über die Vorgänge zu informieren. Gegen 15 Uhr sind bereits mehrere hundert Oliver Fans auf einem Haufen versammelt und auch im Rest des Parks gibt es viele Kiffer, die jetzt über die Vorgänge informiert sind.

So warten also alle gespannt auf irgendein Zeichen oder eine Ansage, was zu tun sei. Womöglich kommt Oliver gar nicht bis zum Park? Die Zweifel sind groß. Plötzlich ruft jemand etwas. „Oliver hat ein Bild auf Facebook gepostet. Er steht mit seinem Wohnmobil am Haupteingang und die Polizei durchsucht das Fahrzeug!“ Auf einmal entsteht Bewegung. Alle machen sich auf den Weg und ich schließe mich an. Am großen Eingang sind mittlerweile mehrere dutzend Beamte versammelt. Einige stehen als Kette im Eingang und lassen niemanden durch. Andere durchsuchen das Fahrzeug von Oliver. Naja man sollte eher sagen: Sie bauen es auseinander. Auf der Straße liegen Autoteile und Innenverkleidungen des bunten Legalisator Mobils. Ein Hund wird immer im Kreis um das Fahrzeug herumgeführt und wedelt aufgeregt mit seinem Schwanz. Oliver steht relativ gelassen daneben und auch viele Schaulustige von der Straße beobachten das Schauspiel, während ich und die anderen Hanffreunde aus dem Park von der Polizei nicht zum Schauplatz des Geschehens durchgelassen werden. Das wollen wir uns aber nicht bieten lassen.

Mit ein wenig sanftem Druck und etwas süßem Rauch ist die dünne und demotiviert wirkende Polizeikette schnell durchbrochen. Wir strömen langsam und friedlich zu Oliver, den Schaulustigen und dem halb zerlegten Fahrzeug. Ich stehe neben einem der Beamten und höre wie er ins Funkgerät spricht:

„Da ist nichts im Auto, wir haben jetzt 3 mal gesucht. Ja. Die Hunde schlagen alle an aber da ist nichts… Ja, natürlich. Ich melde mich wieder “
Danach geht der gleiche Beamte zu Oliver und sagt:
„Sie können jetzt weiterfahren. In den Park dürfen sie allerdings nicht mit ihrem Wohnmobil, da dürfen keine Fahrzeuge rein.“

Oliver nickt und deutet auf die vielen Fahrzeugteile auf der Straße: „Was ist jetzt damit?“

„Das können sie wieder einräumen. Schönen Tag noch“

Oliver nickt wieder. Nichts anderes war zu erwarten gewesen. So helfen einige der der Umstehenden ihm beim Einräumen der Einzelteile während von allen Seiten Fragen auf Oliver einprasseln:

„Wo ist denn jetzt das Hasch?“
„Wieviel krieg ich für 10 Euro?“
„Hast du alle Sorten die auf dem Plakat sind?“

Oliver lächelt nur sanft und räumt seine Sachen ins Fahrzeug. Die Innenverkleidung wird nicht befestigt, sondern einfach ins Fahrzeug gelegt. Nur an der Anlage schraubt Oliver noch ein wenig herum und bringt sie wieder zum laufen. Die Polizei bleibt in der Nähe und Oliver erhebt kurz seine Stimme:

„Bitte folgt mir jetzt einfach. Vertraut mir. Ich fahre voraus.“

Mit diesen Worten steigt er in sein Legalisator Mobil und macht die Musikanlage an. Ein fetter Bass ertönt und die Menschen fangen an im Takt zu wippen. Das Mobil setzt sich in Bewegung und die stetig anwachsende Meute folgt. Die Menge ist schwer zu überschauen, aber die kleine Straße ist auf jeden Fall sehr voll. Auch die Beamten haben weitere Verstärkung bekommen und laufen an der Seite mit. Das Mobil erreicht den nächsten Eingang des Parks, der allerdings mit niedrigen Pollern gegen Einfahrer geschützt ist. Die Musik geht aus und Oliver steigt aus dem Fahrzeug und deutet mit seinem rechten Arm darauf:

„Bitte, Leute. Der Legalisator muss in den Park! Ihr seid viele hundert Menschen. Der Legalisator wiegt gerade mal 2 Tonnen. Ihr könnt das schaffen. Ich bin tausende Kilometer aus Marrokko angereist. Jetzt darf es nicht an den letzten Metern scheitern. Hebt ihn hoch!

Sofort stürmen bereitwillige Träger an die Seiten des Fahrzeugs. Die Polizisten gucken leicht irritiert und ein Beamter spricht sofort Oliver an. Auch getragen dürfe das Fahrzeug nicht in den Park hinein…

„Dann geben sie mir halt die Ordnungswidrigkeitsanzeige, ich zahle dann per Rechnung, sie haben ja meine Anschrift. Wenn die Menschen es schaffen dieses Fahrzeug in die Luft zu heben, dann müssen sie den Willen der Menschen auch mal akzeptieren. Wir sind hier in Kreuzberg!“

Mit diesen Worten lässt Oliver den verdutzten Beamten stehen und geht zu der Meute, die etwas unbeholfen am Legalisator herumspielt.

„Alle gleichzeitig bei drei!“ ruft er laut.

„Eins“
„Zwei“
„Und drei!“

Der Legalisator hebt sich unter der Kraft mehrerer dutzend hochmotivierter Kiffer in die Luft. Die Polizisten stehen noch im Weg, werden aber von anderen Leuten weggedrängt und dadurch von gefährlichen Eingriffen in diesen komplizierten Vorgang abgehalten. Langsam und vorsichtig lotst Oliver die Gruppe mit dem schwebenden Legalisator über die Eingangspoller hinweg und lässt das Mobil wieder absetzen. Unter dem Jubel der Menschenmenge steigt Oliver in sein Fahrzeug. Die Polizisten folgen weiter am Rande und beraten sich untereinander über das weitere Vorgehen. Ein übermütiger Kiffer geht mit brennendem Joint zu der Truppe und fordert die Beamten auf, jetzt endlich nach Hause zu gehen. Das sei hier schließlich der Görli und er wolle jetzt auch endlich mal richtig gutes Haschisch rauchen.

„Nicht immer nur dieses Kunstlicht Gras. Nie wieder Kunstlicht!“

sagt er und fuchtelt mit seinem halb gerauchten Joint vor den leicht genervten Beamten rum. Bevor diese sich zum Zugriff entschließen, rennt der junge Mann wieder zurück in die Menschenmenge, ich rieche nur die Graswolke die er hinter sich lässt. Aber die Menschenmenge hat den Kampfspruch des Tages gefunden:

„Nie! Nie! Nie wieder Kunstlicht!“

und

„Wir wollen Haschisch“

rufen die Leute jetzt, während das Legalisator Mobil in Richtung Mittelpunkt des Parks fährt. Die üblichen Händler weichen im Angesicht dieser Prozession kurzzeitig aus und beobachten das Geschehen aus einiger Entfernung. Am Rande der großen Kuhle in der Mitte des Parks bleiben die Polizisten dann plötzlich zurück und verteilen sich rund um den Trichter in größeren Gruppen. Einige Beamte lächeln bewundernd ob des gerade erlebten. In der Mitte angekommen, spricht Oliver erneut zu den Menschen:

„Leute, ich bin voll glücklich das wir hier angekommen sind. Ich muss jetzt kurz mal hier im Legalisator verschwinden. Ich mache euch solange Musik an und hoffe ihr feiert schön ne kleine Party und dann gehts hier bald richtig los!“

Er schließt die Tür seines Mobils hinter sich, verhängt die Fenster und der laute Goa Sound ertönt aus den Boxen. Niemand weiß genau was jetzt passieren wird, aber es ist sowieso Fete de la Musique und die Stimmung ist nach dem erfolgreichen Transport des bunten Legalisator Mobils natürlich blendend. Die Polizei steht in genügender Entfernung, so dass sich niemand wirklich gestört fühlt. Ich sehe viele Menschen am kiffen und baue selber auch noch einen Joint von meinem mitgebrachten Gras. Die Spannung ist groß und es gibt viele Teilnehmer die sich neugierig untereinander über verschiedene Theorien austauschen, was Oliver im Bus grade so machen könnte. Viele sehen das ganze aber auch eher als Happening und tanzen beschwingt aber leicht desinteressiert zur Musik. Nach über einer Stunde wird die Musik wieder leiser. Eine Stimme ertönt durch die Lautsprecheranlage. Leicht verzerrt, aber es ist eindeutig Oliver.

„Ich kann von hier drinnen nicht viel sehen. Eine Frage: Sind Polizisten hier in direkter Nähe?“

„Neeeeiiiin“ antwortet die Menschenmenge

„Ok, dann passt auf. Bitte macht jetzt eine dreifache Menschenkette rund um unsere ganze Gruppe hier. Jetzt gibt es nur noch drinnen und draußen. Alle Menschen innerhalb unserer Gruppe die irgendwie unpassend, nüchtern oder unfreundlich aussehen versucht ihr einfach zu umarmen und bietet ihnen einen dicken Joint an – oder eine Zipsy. Wer eins von beidem ablehnt ist potentieller Polizist oder Ganove und hat in unserem Menschenkreis nichts verloren! Solche Menschen könnt ihr ruhig weg schicken. Die sollen raus aus unserem Kreis. Alle anderen genießen jetzt den Schutz der Menge.“

Rund um die mittlerweile recht große Gruppe bilden sich also langsam Ketten und manche Teilnehmer in der Mitte sprechen plötzlich miteinander und umarmen lachend ihre Nachbarn. Zwei großgewachsene und eindeutig zu nüchterne Männer mittleren Alters werden unter lautstarken Beschimpfungen und in Begleitung diverser Kameras aus dem Kreis heraus befördert. Sie lachen nicht, sondern laufen schnurstraks zu ihren uniformierten Kollegen am oberen Wegesrand.

Ich stehe nach einigen Umarmungen und ein paar spendierten Joints weiter in der Menschenmenge und warte gespannt auf das, was da kommen soll. Wenn er jetzt wirklich etwas im Fahrzeug versteckt hatte? Aber das kann gar nicht sein, der Wagen wurde doch zig Mal durchsucht! Plötzlich öffnet ein lächelnder Oliver die Tür seines Legalisator Mobils…

Ich wache schweißgebadet auf. Ich habe Dinge getan, die ich im echten Leben niemals tun würde. Auf meinem Handy lese ich das Datum: 14. Juni. Oliver ist noch nicht da.

Es war alles nur ein verrückter Traum…

Kategorien: Private Erlebnisse

Meine private DHV Weihnachts-Spendensammlung 2014

Schon im Jahr 2013 hatte ich mit einer Spendensammlung in meinem privaten Freundeskreis relativ großen Erfolg. Neben meiner Penetranz und den bereits vorher geführten Vorgesprächen, spielte dabei ein Faktor die entscheidende Rolle. Zusätzlich zu den DHV Firmensponsoren, die auf dem Konto eingehende Spenden bis zu einem gewissen Betrag verdoppeln, versprach nämlich auch ich selber privat etwas draufzulegen. Und zwar 50% auf den gesamten von mir gesammelten Betrag.

Würde der Betrag nach meiner Überweisung dann noch verdoppelt, kämen am Ende also von 5€ die mir jemand bar in die Spendendose drückt 15€ beim DHV an. Diese Tatsache war als Motivation sicherlich für viele Spender ein wichtiger Faktor.

Ich sammelte also zwischen dem 15.12.2013 und dem 15.1.2014 Geld bei Freunden und Bekannten ein, die sich entweder nicht trauen oder einfach nie darüber nachdenken Spenden an den DHV zu überweisen. Jeder Spender musste sich auf die Vorderseite meiner kleinen, selbst gebastelten Sammelbox schreiben. Sei es mit echtem oder falschem Namen. Dadurch konnte ich am Ende durch Vorzeigen der Box und meines Überweisungsbeleges eindeutig beweisen, dass jeder Euro auch beim DHV angekommen ist.

Nachdem ich im letzten Jahr den unglaublichen Betrag von 240 Euro eingesammelt hatte, und dann sogar die Annahme weiterer Spenden verweigern musste um meinen Eigenanteil nicht zu groß werden zu lassen, ging es dieses Jahr erstmal etwas langsamer los. Einige Freunde aus meinem Umfeld wollten nicht innerhalb von einem Jahr zwei Mal spenden, und grade die Großspender waren etwas zurückhaltender. Die fehlenden Großspenden glich ich aber aus durch eine gewachsene Offenheit und Aktivität meinerseits. Da ich mittlerweile eigentlich mit fast jedem Menschen aus meinem privaten und beruflichen Umfeld über Hanflegalisierung gesprochen habe, konnte ich auch überall die Spendenbox auf den Tisch stellen. So sammelte ich mit Engelszungen vor allem viele 5 Euro Scheine von einzelnen Menschen ein.

Immerhin 150 Euro kamen so am Ende zusammen! Plus 50 Prozent von mir macht das insgesamt 225 Euro, die ich auf Grund all des Trubels rund um die Millionärswahl schließlich 6 Tage zu spät am 21.02. auf das DHV Konto überwies. Zonk :(  Dadurch wurde mein Beitrag nicht bei der Auswertung der Weihnachtsspendenaktion mit einbezogen, und auch nicht von den Firmensponsoren verdoppelt.

Aber mit dem Sieg im großen Millionärswahl Finale hat es sich ja gelohnt, und so werden mir wohl alle Spender diesen Fehler verzeihen, sofern sich die vielen 5€  und 10€ Spender überhaupt für solche Details interessieren🙂 Auf jeden Fall sind alle Gelder ordnungsgemäß überwiesen, und ich kann das mit diesem Blogbeitrag auch belegen.

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Die Weihnachtsspendenaktion des DHV wurde abgeschlossen. Von daher kann ich natürlich jetzt direkt keine Nachahmer für meine Aktion mehr motivieren. Aber vielleicht denkt der Eine oder Andere ja im nächsten Jahr mal darüber nach. Einige Menschen haben wenig Geld, aber würden gerne auch finanziell mehr beitragen. So eine Sammlung ist ein guter Weg um den eigenen Beitrag zu erhöhen und Freunde für die Sache zu aktivieren.

Für mich hat sich die Aktion eben auch dadurch ausgezahlt, dass ich bei vielen Menschen Interesse für das Thema Hanflegalisierung wecken konnte. Denn wenn jemand Geld von einem will, fängt man stärker an sich mit dem Thema zu beschäftigen, als wenn derjenige einem einfach nur immer etwas erzählt. Ein etwas merkwürdiger psychologischer Effekt, aber er hatte schon im letzten Jahr recht gut funktioniert. Nehmen wir unsere Freunde mal ein bißchen in die Pflicht. Sie werden es uns nicht übel nehmen, solange wir ihre Grenzen wahren.

Let’s Legalize It!

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Ein ganz persönlicher Bericht zur Millionärswahl

Das waren ein paar völlig verrückte Wochen…

Schon die Anfangsphase der Millionärswahl war für mich wie für manch andere ein echtes Wechselbad der Gefühle. Nicht nur die mehrfachen Änderungen bei Regeln und Sendezeiten der Millionärswahl sorgten bei mir für Anspannung, sondern auch die szeneinternen Streitereien.

Nach dem riesigen Erfolg in der ersten Sendung war meine Stimmung wieder super, als dann aber plötzlich die Sendung aus dem TV ins Internet verlegt wurde, befürchtete ich doch ein sinkendes Interesse seitens der DHV Unterstützer, und ich muss zugeben es regte mich auch massiv auf weil ich bereits das Werbebild für den TV Sendetermin auf Facebook gepostet hatte. Da das Bild beim ersten Mal natürlich öfter geteilt und geliked wurde, als beim Re-Posting, konnten wir unmöglich alle Fans noch über die Änderung informieren. Einige Menschen haben am Samstag Abend sicherlich erst beim DHV Siegesbild gemerkt, das die Sendung aus dem Fernsehen ins Internet und gleichzeitig vorverlegt wurde.

Dazu kam meine persönliche Dramatik. Es begann am letzten Donnerstag. Ich bekam einen Weisheitszahn operativ entfernt, und rechnete mit einer Genesungszeit von 2-4 Tagen. Auf Grund des anstehenden Finales, des Chaos um die Bewerbung des Events und wegen dem riesigen Andrang beim DHV arbeitete ich natürlich auch in dieser Zeit konsequent online weiter. Das war wohl dem Heilungsverlauf nicht sehr zuträglich… Schon länger hatte ich allerdings rund um den 25.Januar eine Fahrt nach Berlin geplant, und diese wollte ich auch trotz Millionärswahl und Zahnschmerzen durchführen. Ausgestattet mit meinem Laptop und 2 Blistern Ibuprofen 400 ging ich auf die Reise.

Schmerzfrei und zufrieden konnte ich mich hier etwas vom selbst gemachten Druck befreien, und legte einen Tag Pause ein. Da ich bei Freunden zu Besuch war, deren Begeisterung für die Millionärswahl sich in engen Grenzen bewegte, suchte ich für den Samstag Abend nach Alternativen. Leider war Max krank und auch andere Interessenten an einem gemeinsamem Millionärswahl-Event konnte ich in Berlin nicht ausmachen. Da kam es mir sehr entgegen, dass meine Aktivistentruppe in Frankfurt die Hanf-Initiative es tatsächlich geschafft hatte, ein Public Viewing zur Sendung zu organisieren. Also buchte ich am Freitag Abend eine Mitfahrgelegenheit für Samstag früh, und stand um 07:30 Uhr in Neukölln auf, um mich zum Treffpunkt zu begeben.

Eine nette Dame mittleren Alters fuhr mit mir alleine und war sehr gesprächig, so konnte ich nicht wie geplant während der Fahrt noch etwas Schlaf nachholen. Sie erzählte viel von sich selber und es war eigentlich sehr nett. Allerdings wirkte sie doch eher etwas spießig, so dass ich mich anfangs eher zurück hielt. Auf die Frage nach meinem Beruf und meinen privaten Tätigkeiten erwähnte ich dann doch den Deutschen Hanfverband. Daraufhin schaute sie mich völlig begeistert an und signalisierte deutliche Zustimmung. Sie selber habe ja nie etwas für Hanf übrig gehabt, aber ihr Bruder habe früher Cannabis konsumiert und zum Eigenbedarf angebaut, und sei damit erwischt worden. Die Strafe und der ganze Stress rund um die Hausdurchsuchung waren ihr noch in guter Erinnerung. Es entsponn sich ein  interessantes Gespräch über die vielen Nachteile des Verbots und über Wege zur Kontrolle und Regulierung eines legalen Marktes. Wir freundeten uns regelrecht an.

Nach der Hälfte der Strecke machten wir Halt an einer Raststätte die von jungen, männlichen Fußballfans bevölkert war. Diese waren scheinbar einigen Reisebussen entsprungen und größtenteils stark angetrunken. Ich ging mit meiner Begleiterin ins „Serways“ Café um in Ruhe etwas zu essen und auf Toilette zu gehen. Direkt neben der Eingangstür standen 3 junge Männer. Einer hielt einen Plastikbeutel in der Hand und schüttete seinem Bekannten etwas auf die Hand. Beim Näherkommen sah ich kleine grüne Blütchen und ein langes Zigarettenpapier. Ich fing an zu grinsen und ging mit ausgestrecktem Daumen auf die Jungs zu: „Habt ihr schon gehört das heute Abend im Finale von der Millionärswahl Georg vom Deutschen Hanfverband für die Legalisierung von Cannabis antritt?“

Ich blickte in glasige Augen und rote Wangen, aber bei einem der Jungs schien irgendwas zu klingeln. Langsam sprudelte es aus ihm heraus: „Ja Man! Der Typ ist voll geil ich hab das gesehen im Fernsehen voll krass. Das ist heute? Ja ey wir sind beim Fußball heute Abend leider, aber hoffentlich gewinnt er“

Ich empfahl noch kurz die DHV Facebookseite um auch im Stadion die Nummer zum Voten zu kriegen, und ging dann mit einem Grinsen auf dem Gesicht weiter. Eine intensivere Diskussion des Themas erschien mir angesichts des eher desolaten Zustands meiner Gesprächspartner nicht sinnvoll. Auf jeden Fall stieg meine Stimmung durch die Gespräche weiter an, und ich freute mich auf den Abend mit Ingrid und meinen FreundInnen von der Hanf-Initiative.

Leider fuhr mich meine Fahrerin nicht wie erhofft nach Frankfurt, sondern nach Mainz. Da sie so sympathisch und auch ein wenig hilflos in Bezug auf den Frankfurter Straßenverkehr war, akzeptierte ich das widerspruchslos und fuhr vom Mainzer Bahnhof zurück zum Hauptbahnhof Frankfurt, und von dort dann weiter nach Ginnheim wo unser Treffen stattfand.

Kurz nach 6 Uhr abends kam ich dann müde und mit pochender Backe am Treffpunkt der Hanf-Initiative an. Nach und nach erschienen mehr Leute, so dass wir am Ende zu siebt dem Finale entgegen fieberten. Darunter 3 völlig neue Leute die wir bisher nicht kannten. Der Sekt war zwar schon kaltgestellt, aber angesichts der starken Konkurrenz schien der Erfolg absolut nicht sicher. Mehr zu diesem Public Viewing Event werdet ihr sicher bald auf der Seite der Hanf-Initiative Frankfurt erfahren, ihr könnt sie auch auf Facebook liken für alle Infos.

Der Jubel nach Georgs Sieg war natürlich riesig! 2 Flaschen Sekt wurden vernichtet, und auch sonst ließen wir uns nicht lumpen und zelebrierten den Abend ausgiebig. Ich muss zugeben, mir kamen kurzzeitig die Tränen ob dieses riesigen Erfolges. Da es schon spät war, und ich nach Marburg noch eine Zugeise von über 100 km vor mir hatte, beschloss ich die Nacht bei meiner treuen Mitstreiterin und Vorkämpferin Ingrid Wunn zu verbringen. Gegen 2 Uhr nachts fielen wir müde und erschöpft, aber überglücklich in die Betten.

Als es um halb 6 an der Tür klingelte, wachte ich auf. Beim zweiten Klingeln, ahnte ich wer da ist. Beim dritten Klingeln stand ich im Schlafsack im Zimmer. Wenn nach einem Aktivisten Treffen morgens früh Sturm geklingelt wird, gibt es eigentlich nur einen Gedanken… Wir machen als Hanf-Initiative nichts Verbotenes und sind uns unserer Sache auch sehr sicher, aber in diesem Moment schlackern einem dann doch die Knie. Immerhin sind wir nicht nur Hanfaktivisten, sondern Ingrid ist auch bekennende Cannabispatientin ohne Ausnahmegenehmigung. Mein erster Weg führte mich also zur Toilette, während ein anderer Hausgast die Tür öffnete und die Bestätigung meiner Vermutung bekam. Die Polizei wünschte Herr oder Frau W. zu sprechen. Und: „es würde sich lohnen, sie zu wecken…“

Ingrid ging an die Tür und begann das Gespräch. Schnell wurde klar: Dieser Besuch hat absolut nichts mit unserer politischen Arbeit zu tun. Ingrids erwachsener Sohn war in der gleichen Nacht als wir uns freudestrahlend in den Armen lagen, vor einer Kneipe von 2 Menschen angesprochen worden. Diese versuchten wohl ihm sein Handy und sein Geld zu rauben. Scheinbar von dem Mißerfolg frustriert, prügelten die Täter auf ihn ein, und verletzten ihn massiv im Gesichtsbereich. Zur Beruhigung aller Leser: Es geht ihm den Umständen entsprechend gut, langfristig bleibende Schäden wird es wohl nicht geben. Aber der Schock saß natürlich tief, und ehrlich gesagt wünschten wir uns innerlich alle, das morgendliche Klingeln wäre die Hausdurchsuchung gewesen die unsere paranoiden Gedanken uns vermuten ließen…

Sofort fuhren wir zu viert mit dem Taxi ins Krankenhaus. Jetzt ist es elf Uhr morgens. Ich sitze im Wartesaal der Uni Klinik und schreibe diesen Bericht. Ich habe in den letzten Wochen jede Nacht schlecht geschlafen, teils wegen den Schmerzen durch den entfernten Weisheitszahn, und teils wegen dem enormen Psycho-Stress rund um die Millionärswahl. Die letzten beiden Nächte haben den Schlafmangel und auch mein Stress Level noch einmal ganz enorm gesteigert. Vor allem aber hat uns die Nacht vom Samstag eines gezeigt: Ein politischer Erfolg wird ganz schnell nebensächlich, wenn es um die Gesundheit von Freunden und Angehörigen geht.

Und noch etwas hat uns dieses Erlebnis eindrucksvoll klargemacht: Unsere politische Arbeit ist legal. Wenn morgens früh nach einem Aktivistentreffen die Polizei klingelt, kann das eine Vielzahl von Gründen haben. Eine Hausdurchsuchung ist der unwahrscheinlichste davon. Ich habe lange gezögert diese Geschichte hier überhaupt zu veröffentlichen, mich jetzt aber dafür entschieden um euch diesen entscheidenden Punkt klarzumachen: Wir sind keine Kriminellen, und das müssen wir uns auch selber bewußt machen.

Es war ein enormer Kraftakt, der diese Millionärswahl begleitet hat. Für mich persönlich, aber auch für alle anderen DHV Mitarbeiter. Wir werden einige Tage brauchen, um die Batterien wieder aufzuladen. Dafür sollte jeder Verständnis haben.

Kategorien: Private Erlebnisse

Warum ich DHV Sponsor bin…

Seit mittlerweile über 3 Jahren bin ich sogenannter Privatsponsor im Deutschen Hanfverband. Ich muss zugeben, der Schritt fiel mir anfangs nicht leicht. Bereits einige Jahre zuvor hatte ich mich einmal im DHV Email-Verteiler registriert, nur um mich wenige Tage danach erschrocken wieder abzumelden. Die Angst, das ich einer von wenigen tausend Menschen in Deutschland war, die diese Email bekamen und ich dadurch irgendwo beim Verfassungsschutz eine Karteikarte erhielt, lähmte mein Engagement und meinen Kampfgeist.

Gar ein Sponsor in diesem merkwürdigen, aber faszinierenden Verband zu werden, erschien mir damals gradezu wahnsinnig. Knapp einhundert Privatmenschen bezahlten offensichtlich einen regelmäßigen finanziellen Beitrag und gemeinsam mit einigen Firmen finanzierten sie so die Arbeit für die Legalisierung. Die Gruppe der Unterstützer war mir zu dieser Zeit doch deutlich zu überschaubar, um ein Teil davon sein zu wollen. Also beobachtete ich diese ganze Sache, las viel im Internet und schrieb gelegentlich Kommentare wenn ich etwas zu sagen hatte. Ich betrachtete mich als Legalisierungs-Interessiert, aber ich wusste nicht genau wie und ob ich mich einbringen könnte.

Auf meiner ersten Hanfveranstaltungen in Frankfurt traf ich den jungen Maximilian Plenert, und gab ihm meine Adresse damit er mir Flyer zur Legalisierung zuschickt. Das waren damals Grüne Jugend Flyer und ich verteilte sie mit großer Begeisterung. Auch weil ich merkte, das es mir Spaß macht mit Menschen über das Thema Hanf zu reden. Was mir nicht gefiel war die parteipolitische Bindung. Wenn ich Hanf-Flyer verteile dann will ich mit Menschen über Hanf reden und nicht über irgendwelches Parteien-Gezänk. Parteipolitik ist durchaus manchmal notwendig, aber sie ist für Hanffreunde auf der Straße erstmal abschreckend und sie erzeugt oft Gesprächsbarrieren weil immer wieder alte Fronten aufbrechen und inhaltliche Debatten überlagern. Kurz gesagt: Ich war froh als mir die ersten Flyer des DHV in die Hände fielen. Ich verteilte sie unter der Hand und auf der Straße an Fremde, aber meinen Namen auf ein solches Formular zu schreiben und abzuschicken, erschien mir immer noch als zu brisant. Gedanken an (potentielle) Arbeitgeber oder Strafverfolger waren wie ein Damoklesschwert und hielten mich davon ab, meinen völlig legitimen politischen Willen zu artikulieren und verstärkt zu befördern.

Ich begannalso durch meine jahrelangen Beobachtungen im Internet ein Gefühl für den Wert der Existenz des DHV zu bekommen. Eine große, seriös auftretende Lobbyorganisation die mit Medien und Politikern in Kontakt steht, die Kampagnen organisiert und regionale Gruppen vernetzt, sowie einen Kontakt zu europäischen und internationalen Aktivisten etabliert. Ein Kontaktpartner wo Medien ein paar Sätze bekommen, wenn sie nicht nur Thomasius oder den Polizeisprecher sondern auch noch eine andere Meinung in ihrem Cannabis-Artikel wollen.

Und natürlich kann so eine Organisation langfristig nur mit bezahlten Kräften funktionieren. Ehrenamtliche Arbeit ist eine tolle Sache, funktioniert aber nur in einem begrenzten Rahmen. Um ein wirklich perfekter Mitarbeiter zu sein, muss man sich zu 100% dem Beruf widmen, und ihn nicht nur nebenbei machen.  Wenn man nur wenige Stunden am Tag hat, fehlt die Zeit für intensive Recherchen und große Projekte. Vieles was im Internet leicht aussieht, erfordert im Hintergrund aber enorm viel Vorbereitung und Kommunikation. Das geht nicht mal so eben zum Feierabend. Es ist toll, wenn Ehrenamtler Projekte machen und gestalten, aber ich weiß auch mittlerweile aus eigener Erfahrung wie schwer es ist sich dafür Abends nach einem langen Tag noch Zeit zu nehmen.

All dieses wissend, lernte ich schließlich auch noch den entscheidenden Faktor, der mich überzeugte Privatsponsor im DHV zu werden. Es ist sicher. Niemand muss Angst vor Strafverfolgung oder Berufsverlust haben für ein finanzielles Engagement beim DHV. Nicht nur weil das Engagement für die Legalisierung an sich völlig legal ist, sondern auch weil die Daten nicht öffentlich zugänglich sind. Ich füllte das Online-Formular aus, bekam eine freundliche Email und einige Zeit nachdem ich das Geld überwiesen hatte (neutral und diskret an Georg Wurth) ein Paket mit meinen Begrüßungsgeschenken. Ebenfalls neutral und diskret verpackt. Alles wunderbar. Und durch eine Vielzahl von Online Aktionen konnte man sich auch weiterhin beteiligen, ohne groß selber öffentlich in Aktion zu treten. Mein Arbeitgeber war glücklich, und ich konnte selber entscheiden wieviel Zeit und Energie ich zusätzlich investieren wollte.

Einfacher geht es eigentlich nicht. Ein Privatsponsoring kostet knapp 60€ im Jahr, das sind ca. 16 Cent am Tag. Es soll Menschen geben, die mehr für das Papier ausgeben in welches sie ihren Hanf drehen. Natürlich sind einige von uns Hanffreunden finanziell sowieso schon in einem sehr schweren Zustand, von Repression und Diskriminierung direkt betroffen und haben wenig Geld. Euch gilt natürlich mein vollstes Verständnis, aber es gibt auch soviele die ein paar Euro erübrigen könnten um die Sache zu fördern…

Und es gibt auch jene, die auf ihrem Geld sitzen und gar nicht wissen wohin damit. Es ist eher unwahrscheinlich das diese Leute so fleißig sind hier soweit mitzulesen. Dafür gibt es die Möglichkeit der privaten Weihnachtsspendensammlung, dadurch können wir direkt auf diese Menschen zugehen und sie zu einer Spende motivieren. Ich plane dieses Jahr wieder eine solche Sammlung.

Es gibt unglaublich viele Wege um sich ehrenamtlich, anonym und/oder online für die Legalisierung einzusetzen. Hier in meinem Blog und im DHV Forum habe ich einige solcher Wege beschrieben und es gibt natürlich noch viele, viele mehr. Für mich ist aber die Grenze des Möglichen erreicht. Ich will jeden Tag an diesem Thema arbeiten und das geht nicht wenn ich nebenbei in meinem richtigen Job Verantwortung für völlig andere Dinge trage. Spätestens wenn man noch ein paar Stunden Privatleben will, muss man Entscheidungen treffen.

Ab April 2014 werde ich aller Voraussicht nach fest beim DHV arbeiten. Ich bin sehr gespannt auf die neue Zeit und hoffe ich werde mein Geld wert sein. Als überzeugter DHV Supporter werde ich natürlich weiterhin mein Bestes geben um nicht nur für die Legalisierung, sondern auch für den Hanfverband als solches Fortschritte zu erzielen. Das war schon in den letzten 2-3 Jahren als ehrenamtlicher Aktivist so, und daran wird sich natürlich auch in Zukunft nichts ändern. Natürlich werde ich selber dann Förderbeiträge an die Grüne Hilfe und das SCM entrichten. Denn der DHV ist nicht die einzige deutsche Pro-Hanf Organisaton die eine Spende wert ist.

In diesem Sinne: Let´s Legalize It!

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Strategien und Perspektiven zur Millionärswahl

Seit der großen YouTube Aktion und dem Zukunftsdialog von Angela Merkel weiß so ziemlich jeder: Im Internet haben Hanffreunde ganz schön Gewicht. Sobald es eine reale Abstimmungsaktion gibt bei der politische Themen möglich sind, werden wir uns dort „breit“machen und unsere Meinung kund tun. Aufgrund der hohen Zahl von Menschen, die nicht nur unseren Berichten folgen sondern auch bereit sind sich gemeinsam hinter eine Sache zu stellen, führen wir regelmäßig unterschiedlichste Internet Abstimmungen an.

Jetzt tritt Georg zur Millionärswahl an, und ich hoffe auch hier auf starke Unterstützung von euch!

Nun ist die Millionärswahl ein bißchen anders als frühere Online Aktionen. Hier geht es scheinbar in erster Linie ums große Geld, und viele werden sicherlich den Sinn darin nicht so sehr erkennen, wie wenn man Angela Merkel mit der Cannabisfrage konfrontiert.

Aber: Hier geht es zunächst um die mediale Verbreitung der Nachricht. Das Geld ist erstmal Nebensache. Wenn Georg es in die TV Phase schafft, dann werden sehr viele Menschen mit der Frage der Cannabis-Legalisierung konfrontiert. Hanffreunde genauso wie Hanfgegner. Damit erschließt sich einerseits ein neuer Pool von potentiellen Hanfaktivisten, und andererseits eine Gruppe von Menschen die vielleicht endlich mal über die Frage von Legalität und Illegalität von Drogen wie Hanf nachdenken. Die meisten Menschen ignorieren dieses Thema so gut sie können – zwingen wir es ihnen auf!

Und auch Geld wird für den Legalisierungskampf durchaus gebraucht. Es gibt unzählige Ideen, die man umsetzen könnte wenn eine Millionen Euro verfügbar wären. Sicherlich könnte man damit die Legalisierung von Cannabis nicht einfach „kaufen“,  aber doch einen relevanten Beitrag dazu leisten.

Die Chancen das Georg es tatsächlich in die TV Phase schafft, in der die letzten 49 Teilnehmer gegeneinander antreten, ist eigentlich gar nicht so schlecht. Solange die Abstimmung nur im Web läuft haben wir eine gute Chance, mehrere Tausend Unterstützer auf diese Plattform zu locken. Während die meisten anderen Kandidaten wohl eher dazu tendieren den schwächsten Kandidaten zu wählen um ihre eigenen Chancen nicht zu verringern, bringt Georg eine Unterstützerschar mit die nur wegen ihm dort hin kommt; deren Stimmen also sicher sind.

Und: Bisher sind die Anmeldungszahlen noch gar nicht so hoch:
http://www.focus.de/kultur/vermischtes/millionaerswahl-millionaerswahl-knackt-die-10-000-kandidaten-marke_aid_1143957.html

Je weniger Teilnehmer insgesamt, desto stärker ist das Gewicht von einigen tausend Hanffreunden.

Wenn am Ende der Registrierungsphase weniger als hunderttausend Menschen registriert und damit wahlberechtigt sind, haben wir eine gute Chance von Anfang an einen guten Platz zu belegen, und dadurch auch innerhalb dieser Plattform bekannter zu werden. Ein gewisser Teil der Pro7 / Sat1 Zuschauer sollte doch auch von unserer Sache zu überzeugen sein, so dass in den späteren Wahlgängen sicherlich auch Menschen für Georg stimmen werden, die ihn erst über diese Plattform kennengelernt haben.

Solange die Abstimmungen noch nicht laufen, könnt ihr auch liken, Gästebucheinträge schreiben oder „Werbung“ bei anderen Profilen machen, indem ihr dort in Gästebucheinträgen auf Georgs Profil verlinkt und die Leute dazu auffordert ihn und die Hanflegalisierung zu unterstützen.

So oder so, je mehr von euch sich registrieren umso besser. Wenn ihr das nicht wollt, weil ihr euch denkt: a)Datenschutzschweinerei oder b)bescheuerte Privatsender Kacke –  dann kann ich nur sagen ihr habt völlig Recht! Wenn euch das aber egal ist und ihr Georg und den DHV unterstützen wollt, dann macht bitte mit. Ein Fernsehauftritt könnte schon einiges bewegen, und eine Millionen Euro noch deutlich mehr. Das ist unsere Chance, versuchen wir sie zu nutzen.

Wenn ihr besonders viel machen wollt, denkt mal über diesen Satz nach:
Ihr braucht für einen Account jeweils eine Email Adresse und jeweils eine Handynummer!😉

Möge die Macht mit euch sein – Let’s Legalize It!

Kategorien: DHV

Warum zuerst Hanf?

Warum eine substanzistische Fokussierung bei der Legalisierungsarbeit sinnvoll sein kann

Die meisten Legalisierungsaktivisten – mich selbst eingeschlossen – sind davon überzeugt, dass staatliche Drogenverbote generell kein vernünftiger Weg sind um Probleme im Umgang mit den unterschiedlichen Substanzen zu behandeln, und wir sagen das auch gelegentlich. Information, Aufklärung, Drogenmündigkeit und gute Präventionsarbeit sind tausendmal wichtiger als Verbote, die sowieso weithin ignoriert werden. Das trifft auf alle Substanzen zu, egal wie süchtig sie machen und egal ob sie pflanzlichen oder chemischen Ursprungs sind. Auch Alkohol wird nicht gesünder, wenn wir ihn verbieten. Ganz im Gegenteil, Substanzverbote haben historisch immer zu einer sinkenden Qualität und stärkeren Gesundheitsgefahren für die Nutzer geführt.

Wer glaubt Heroin, Crack oder Chrystal Meth auf gar keinen Fall legal in dieser Gesellschaft ertragen zu können, der ist genauso den Mythen und Horrorgeschichten der Medien auf den Leim gegangen, wie es viele andere Menschen bei Cannabis getan haben. Und wer glaubt ein Verbot von Alkohol könnte unsere bestehenden Probleme mit Alkoholmißbrauch lösen, ist ebenso auf dem Holzweg. Erfahrungsgemäß wurden die meisten Drogen erst nach ihrer Illegalisierung und Bekämpfung wirklich populär, und dazu tragen die Medien mit den gleichen Artikeln bei, mit denen sie vermeintlich versuchen ihre Leser vom Konsum abzuschrecken. Gleichzeitig führte die Bekämpfung und Verdrängung von klassischen Drogen wie Opium zu massiven Ausweichbewegungen der Konsumenten zu ähnlichen, aber für sie besser verfügbaren Substanzen wie Heroin. Ein moderneres Beispiel sehen wir in den Research Chemicals, wo analoge Substanzen zu den unterschiedlichsten Drogen hergestellt, und von oftmals sehr jungen Konsumenten wagemutig ausprobiert werden.

Kurz: Jeder der sich intensiv und mit offenen Augen mit Drogengesetzgebung beschäftigt, bekommt früher oder später Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Verboten ganz allgemein. Wir alle haben das Recht dies zu sagen und unsere Meinung auszudrücken, auch auf Hanfdemonstrationen. Ich denke nicht das wir uns an diesem Punkt verstellen sollten.

Dennoch bin ich überzeugt, dass es für uns alle Sinn macht sich zunächst und verstärkt um die Legalisierung von Hanf zu bemühen, ganz unabhängig von individuellen Konsumvorlieben. Dafür gibt es verschiedene Argumente, die ich hier kurz darlegen will.

Zunächst muss man feststellen, das Cannabis die weitverbreitetste und am meisten beschlagnahmte illegale Droge in Deutschland ist. Die Zahl der direkt durch das Gesetz geschädigten Menschen ist also am höchsten.

Für die Polizei ist es gleichzeitig eine ständige psychische Bestätigung und Erfolgsmeldung, wenn sie bei Drogenkontrollen Cannabis finden und dieses anzeigen können. Cannabis ist auch eine der Drogen die sich durch Händler und Konsumenten am schlechtesten verstecken lässt. Grade Marihuana ist sehr voluminös, geruchsintensiv und empfindlich gegenüber Druck, Hitze und Licht. Oftmals betreten Polizeibeamte eine Wohnung oder ein Auto und wissen sofort an Hand des Geruchs, das irgendwo Cannabis ist. Wäre Cannabis legal, würden die meisten polizeilichen Drogenrazzien und Kontrollen deutlich weniger „Dope on the table“ am Ende des Tages vorweisen können. Solche Kontrollen werden einfach unproduktiver, wenn nicht ständig kleine harmlose Hanfkonsumenten des Weges kommen um die Statistik zu füllen. Und damit würde es nach einer Legalisierung auch schwerer fallen, die enormen finanziellen Ausgaben hierfür zu rechtfertigen.

Die hohe Konsumentenzahl bietet uns Aktivisten auch eine breite Projektionsfläche in der Bevölkerung, die ein grundsätzliches Interesse am Thema mitbringen. Beim Hanf findet man eine Vielzahl von Konsumenten, die durchaus bis zu einem gewissen Grad bereit sind öffentlich zu agieren. Konsumenten anderer Drogen haben oft noch deutlich höhere Hemmschwellen, sich in Medien oder dem Internet zu „ihrer“ Droge zu bekennen. Auch bei uns ist die Paranoia groß, aber je härter eine Substanz bestraft wird desto mehr verstecken sich ihre Konsumenten.
Da spielt also auch die berühmte geringe Menge eine Rolle, die zwar eigentlich keine Rechtssicherheit bietet, aber dennoch vielen Hanfkonsumenten das Gefühl gibt, mit ihrem Eigenbedarf an Cannabis seien sie nicht in Gefahr.

Zusätzlich muss man sagen: Viele Hanfkonsumenten konsumieren schon jahre oder jahrzehntelang gelegentlich oder regelmäßig Hanf, und sind dadurch sehr stark innerlich mit ihm verbunden. Viele sind schon ewig von der Legalisierung überzeugt, und warten quasi nur auf den Moment wo sie ihren individuellen Beitrag zur Sache leisten können.

Es gibt also eine große Menge von potentiellen Aktivisten für diesen Kampf, die auch mit Leidenschaft und Herzblut an ihre Pflanze glauben und nicht nur aus einer rationalen Überlegung heraus agieren, sondern auch mit emotionaler Verve. Gleichzeitig sind viele dieser Leute auch noch bürgerlich orientiert, mit vernünftigen Berufen und intelektuell und finanziell fähig eine Bewegung aufzubauen. Bei anderen Drogen fehlt es mitunter an solchen Menschen, auch wenn es sie natürlich in geringerer Zahl auch hier gibt.

Dann ist Hanf auf Grund seines relativ guten Images in der Bevölkerung einfacher zu vermarkten, als MDMA oder Kokain. Auch bei Hanf gibt es viele latent vorhandene Ängste die es abzubauen gilt, aber bei anderen Drogen sind diese doch deutlich massiver vorhanden. Es gibt im Moment defintiv deutlich bessere Chancen Modellprojekte zu Cannabis Clubs zu beantragen, als Modellprojekte zu legalen XTC Raves. Auch wenn jeder Aktivist noch so oft betont, das es nicht um die Etablierung einer Substanz sondern um die Regulierung und Kontrollierung geht, wird das ein Großteil der Bevölkerung und Medien nicht anerkennen und weiterhin von Freigabe sprechen. Also spielt die in der Bevölkerung empfundene Gefährlichkeit eine enorme Rolle bei der Frage nach Mehrheiten für eine Legalisierung.

Die medizinische Anwendung von Hanf, genauso wie die Verwendung als Faser ist mittlerweile weithin akzeptiert und ermöglicht dem unbedarften Bürger, Hanf als vielfältige Pflanze zu betrachten auch abseits der Verwendung als Droge. Auch diese Tatsache vereinfacht den Zugang für Normalbürger, die sich eine medizinische Verwendung von Amphetaminen oder Heroin oft nicht vorstellen können oder wollen.

Nach einer erfolgreichen Hanflegalisierung wird es möglich sein die Erfahrungen zu reflektieren und je nachdem wie erfolgreich ein solches Projekt verläuft und wie die Bevölkerung es betrachtet, kann man dann über weitere Substanzen diskutieren. Niemand sollte glauben, dass das automatisch in unserem Sinne funktioniert. In der Schweiz gab es einst massenhaft legale Hanfläden die oftmals sehr unreguliert und frei agierten. Das gefiel nicht jedem, Eltern deren Kinder mit gefälschten Schulausweisen Marihuana kaufen konnten waren nicht unbedingt begeistert von den Zuständen. Eine gute und vernünftige Regulierung ist also durchaus in unser aller Interesse, um auch nach einer Legalisierung die Bevölkerung nicht zu verschrecken und weitere Schritte gehen zu können.

Sicherlich ist das meiste was ich hier geschrieben habe für einen Großteil der Leser völlig unstrittig, aber immer wieder fordern Menschen mehr Engagement in Richtung bestimmter anderer Substanzen, vermutlich meist nach persönlichen Konsumvorlieben. Wer das will, sollte das machen. Es spricht nichts dagegen auch jetzt schon andere Felder zu beackern, aber ich denke im Bereich Hanf haben wir die besten Chancen wirklich Menschen zu erreichen und Dinge zu verändern. Daher sehe ich im Bereich Hanf den entscheidenden Schwerpunkt für die Arbeit jedes Anti-Prohibitionisten, ob Hanffreund oder nicht.

In diesem Sinne

Let´s Legalize it!

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Anreisen zur Hanfparade – Wozu der ganze Stress?

Jedes Jahr vor der Hanfparade liest man im Internet die gleichen Kommentare, warum Menschen nicht nach Berlin kommen können. Es ist zu weit, man muss arbeiten, man hat kein Geld, man findet keine Mitfahrgelegenheit oder keinen Schlafplatz…. Nun, jedes einzelne Argument mag demjenigen der es ausspricht schlüssig und logisch erscheinen. Natürlich sind hunderte Kilometer Anreiseweg oder teure Übernachtungskosten ein echtes Gegenargument für viele. Dafür habe ich auch vollstes Verständnis.

Aber wenn man dann sieht wieviel Aufwand und Kosten die gleichen Leute oftmals auf sich nehmen, um zu Musikfestivals oder nach Holland zu fahren, fragt man sich schon ob da nicht einfach die Prioritäten ein wenig „falsch“ gesetzt werden. Ich selbst bin jetzt das 5te Mal auf der Hanfparade, reise jedes Jahr aus Hessen an und gebe jedes Jahr viel Geld dafür aus. Daher will ich hier mal den Versuch unternehmen, euch zu vermitteln warum es für angehende Hanfaktivisten wichtig ist, sich diesen ganzen Stress anzutun.

Zunächst ist es natürlich grundsätzlich sinnvoll, sich an Demonstrationen und Aktionen zur Legalisierung zu beteiligen. Aber die Hanfparade ist schon etwas ganz besonderes, und hat einen Effekt nicht nur nach außen sondern auch auf die Mitdemonstranten. Die Parade zeigt uns jedes Jahr überdeutlich, das wir nicht alleine sind. Das es eine starke Gemeinschaft von Hanffreunden in Deutschland gibt, die bereit ist sich öffentlich zu engagieren. Und dieses Bewußtsein kann in jedem einzelnen Veränderungen hervorrufen. Wenn man sich sonst von der Gesellschaft unverstanden fühlt, findet man auf der Hanfparade auf einmal massenhaft Gleichgesinnte, die unabhängig von ihrem eigenen Konsum die politische Situation richtig analysieren, und sich der Forderung nach Legalisierung anschließen. In dieser Gemeinschaft wird auf einmal der Glaube an etwas Großes möglich. Die Legalisierung erscheint nur solange ein unglaubwürdiges und unwahrscheinliches Unterfangen, wie man noch nie mit tausenden Gleichgesinnten über die Straßen gezogen ist.  Denn das Gefühl in dieser Situation ist nicht nur erhebend, sondern auch motivierend. Hanf legalisieren ist oftmals harte Arbeit, aber kann auch durchaus Spaß machen und wenn man sich das mal bewusst macht, dann sieht man das es nicht nur darum geht etwas zur Legalisierung beizutragen sondern auch darum, sich selber ein freieres und, ja, lustigeres Leben zu ermöglichen.

So zeigt uns die Parade jedes Jahr einen Weg hin zu mehr Freiheit und Selbstbewusstsein, auch vor der politischen Legalisierung. Sie zeigt uns das eine Politisierung und Vernetzung von Hanffreunden sinnvoll, aber auch angenehm und schön für den einzelnen Beteiligten sein kann. Die Legalisierung ist ein politisches Fernziel das wir verfolgen, aber auch schon vorher können wir durch massenhaftes Engagement Freiräume erschaffen. Eine hanf-freundliche Parallelwelt ist durchaus möglich in Deutschland.

Ich selbst verbinde wunderschöne Erlebnisse mit meinen Besuchen auf der Hanfparade, sei es während der Demonstration, davor oder danach. Die Hanfparade hat mich weitergebracht und verändert. Die Möglichkeit sich in einem völlig legalen Rahmen mit Hanf zu beschäftigen bietet sich eigentlich jedem heimlichen Hanffreund, man braucht nur die Motivation dazu, und diese Motivation hole ich persönlich mir jedes Jahr im August hier ab. Ich lege frühzeitig Urlaub ein, spare ein bißchen Geld und fahre nach Berlin. Wer nicht bereit ist diesen Stress auf sich zu nehmen, der verpasst etwas. So einfach ist das.

Kommt zur Parade, zur Not mit ausgestrecktem Daumen an der Autobahn! Zeigt euer Gesicht oder setzt euch ne Sonnenbrille auf. Egal wie ihr es macht, seid einfach dabei. Es lohnt sich. Euch selbst zuliebe.

http://www.hanfparade.de

hanfparade-poster

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Arbeiten oder Gesicht zeigen?

Über die Möglichkeiten und Grenzen des anonymen Aktivismus

Sehr viele Menschen möchten sich selber für die Legalisierung von Cannabis einsetzen, sehen sich dabei aber mit einer Vielzahl von Ängsten und Risiken konfrontiert. Zwar ist dieser Aktivismus an sich völlig legal solange dabei keine Straftaten begangen oder gestanden werden, dennoch befürchten viele Menschen zu Recht sich selber Probleme zu schaffen wenn sie mit „offenem Visier“ auftreten. Dabei geht es nicht nur um die Angst vor Strafverfolgung, sondern oftmals vor allem um Arbeitgeber und andere Menschen, von denen man privat abhängig ist. Diese Menschen sind oft nicht mit einem einfachen „Ich fordere die Legalisierung von Cannabis nicht weil ich konsumiere sondern weil es sinnvoll ist“ abzuspeisen. Denn sie können eins und eins zusammen zählen und sie sind nicht auf Beweise angewiesen, sondern können mit Vorurteilen und versteckten Repressionen dem Hanffreund ganz schön zusetzen. Und auch polizeiliche Strafverfolgung kann für neue Aktivisten durchaus zum Problem werden, wenn sie noch nicht genau wissen was sie legal sagen dürfen und was nicht.

Insofern finde ich persönlich es völlig gerechtfertigt, sich diesem Thema anonym zu widmen. Letztendlich ist doch der entscheidende Punkt das wir uns engagieren auf allen möglichen Wegen. An bestimmten Punkten macht es Sinn und ist auch risikofrei seinen Namen mit diesem Thema zu verknüpfen, z.B. große offizielle Petitionen. An anderen Stellen wie Facebook oder Internetforen ist es aus meiner Sicht nur von sekundärer Bedeutung ob man unter Pseudonym oder echtem Namen agiert. Gerade bei Facebook birgt eine Verknüpfung von privaten „Freunden“ und Hanfaktivismus gewisse Risiken, über die sich jeder bewußt sein muss. Im Zweifelsfall sehen Eltern oder Arbeitgeber die eigenen Postings, und man wird im realen Leben damit konfrontiert. Das kann natürlich auch sehr positiv für die Legalisierung sein wenn dabei ein gutes Gespräch rauskommt, aber es kann euch auch in eine unangenehme Situation bringen. Daher finde ich die Forderung das Menschen Gesicht zeigen sollen, nicht angebracht. Jeder muss seine eigene persönliche Situation analysieren und sich überlegen, wo und auf welche Art er sich am besten engagieren kann. Mit maximalem Effekt und minimalem persönlichen Risiko. Denn Märtyrer die Gesicht zeigen und Tacheles reden bringen uns nicht wirklich weiter, wir brauchen eine langfristig orientierte Hanfszene die auch in 5 oder 10 Jahren noch stark und prosperierend ist, das heißt auch das wir unnötige Risiken meiden.

Natürlich ist die Angst der Menschen an manchen Punkten ein echtes Hindernis für effektive Arbeit. Wenn engagierte Aktivisten Denk- und Handlungsblockaden haben, wenn Demonstrationsorganisatoren ihr Gesicht nicht in einer Zeitung sehen wollen, wenn trotz 30.000 Unterschriften noch Menschen Angst haben eine Bundestagspetition mitzuzeichnen dann ist das alles nicht gut für unsere Arbeit. Aber wir müssen die Angst dieser Menschen auch Ernst nehmen, sie einfach wegzuwischen nach dem Motto „Wir stehen doch hier und uns passiert auch nichts“ funktioniert nicht. Denn die Menschen haben unterschiedliche Erfahrungshorizonte, unterschiedliche Lebenswelten und unterschiedliche, teilweise lang antrainierte Paranoia Levels. So sehe ich es nicht nur als meine Aufgabe die Menschen zu mehr Mut zu motivieren, sondern auch ihre jeweiligen Ängste wahrzunehmen, zu respektieren und ihnen trotzdem Wege aufzuzeigen, wie sie sich engagieren können. Und wenn jemand bereit ist etwas zu machen, aber dabei gewisse Grenzen auferlegt dann ist das besser als wenn er gar nichts macht. Es gibt unglaublich viel Arbeit zu tun, Dinge die oftmals wirklich nicht spaßig sind aber die uns einfach vorran bringen. Im DHV Forum werden viele Projekte von anonymen Helfern erarbeitet und durchgeführt und jeder einzelne davon hat meinen höchsten Respekt, denn ich weiß wie es ist seine Freizeit zu opfern.

Ich selbst bin seit vielen Jahren für die Legalisierung von Hanf aktiv, und kann von mir behaupten dabei mittlerweile doch recht viel getan und bewegt zu haben. Und ein Großteil meiner Arbeit war nur web-basiert und völlig anonym. Die wenigen Videos mit meinem Gesicht, oder Artikel mit meinem Namen gehen in der großen weiten Welt des Internet völlig unter. Daher wissen auch nur die Leute in meinem Umfeld von meinen Aktivitäten, denen ich es selber erzählt habe. Zu Beginn war ich auf jeder Hanf-Veranstaltung nur mit Sonnenbrille und habe mich immer im Hintergrund gehalten, um im Lauf der Zeit mehr Selbstbewußtsein und Sicherheitsgefühl bei der ganzen Sache zu entwickeln. Dieser Weg steht eigentlich jedem offen, und auch wenn nicht: Man muss nur die gesamte Situation rational analysieren und sich überlegen, wie man sich einsetzen will und kann. Für jeden noch so paranoiden Menschen gibt es Möglichkeiten Geld oder Zeit in die Legalisierungsbewegung zu stecken. Man muss es eigentlich nur wollen.

Denn langfristig ist verstecken und verheimlichen alleine keine empfehlenswerte Taktik. Verstecken macht nämlich nur dann Sinn, wenn man aus seinem Versteck heraus versucht die Situation zu verbessern. Wenn es irgendwann wieder die Möglichkeit gibt aus seinem Versteck heraus zu kommen. Niemand will ewig in Parallelwelten leben und sich überall verstellen wo ihm „die anderen“ begegnen. Das ist kein Leben. Daher kann ich euch nur alle aufrufen: Tut was ihr könnt. Nicht mehr, und nicht weniger.

Euer Groooveman

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Ein Besuch bei „Absolute Mehrheit“

Am Sonntag dem 24. März sendete Pro7 die Sendung Absolute Mehrheit, und widmete sich darin dank des Drucks von unten dem Thema Cannabislegalisierung.

Mir war früh klar, das ich mir diese Sendung nicht am TV ansehen wollte, sondern lieber direkt vor Ort präsent sein wollte. So überlegte ich zunächst ob es jemandem möglich wäre kurzfristig noch eine Demonstration vor Ort anzumelden, wozu sich leider niemand bereit erklärte. So beschloss ich gemeinsam mit Selassikai und einer befreundeten Aktivistin, wenigstens vor Ort präsent zu sein und am Eingang Flyer an das Studiopublikum zu verteilen.

Nachdem die Eintrittskarten erst scheinbar ausverkauft waren, entdeckte ich durch Zufall am Sonntag morgen das doch wieder Karten verfügbar waren. So buchten wir kurzentschlossen drei Karten und ich setzte mich in den Zug um nach Köln zu reisen. Lange vor den anderen Gästen waren wir vor Ort und begannen damit Flyer an die Hereingehenden zu verteilen, was natürlich dazu führte, dass die Mitarbeiter uns bemerkten und nach einiger Zeit auch wegschickten. Später als dann viele Besucher vor Ort waren, kamen noch 3 Aktivisten von Cannabis Colonia vorbei, die sich einfach ohne Karte in die Reihe der Wartenden mischten, und sehr erfolgreich Flyer verteilen konnten. Meinen Respekt dafür. Dadurch wurde die Stimmung im Publikum früh gesetzt, und das Thema Cannabis wurde schon in der Wartehalle intensiv diskutiert.

Leider gab es augenscheinlich nicht mehr Aktivisten mit Eintrittskarten, so dass eine konzertierte gemeinsame Aktion nicht möglich erschien. Dennoch beschloss ich wenigstens ein DHV Plakat mit hereinzuschmuggeln. Die Sicherheitskontrolle war zwar sehr streng, aber ich kam ohne Beanstandung durch. Wir waren allerdings schon als Hanf-Aktivisten geoutet und daher (oder auch durch bloßen Zufall) setzte uns die Platzanweiserin in eine dunkle, hintere Ecke der Zuschauertribüne. So konnte man im Fernsehen leider kaum sehen, dass da hinten irgendetwas hochgehalten wird, und schon gar nicht konnte jemand das Plakat lesen. Gestört hat es allerdings auch niemanden, und ich bin mir sicher das wäre auch in der Mitte der Zuschauertribüne möglich gewesen.

Einen Versuch wars wert.

Insgesamt wäre bei dieser Live Sendung viel Potential für kreative, subversive Aktionen gewesen. Mit einigen Dutzend Leuten und einem guten Plan hätten wir die ganze Sendung nach unseren Vorstellungen mitgestalten können, um sowohl den DHV als auch die aktuell anstehenden GMM Aktionen optimal zu bewerben. Letztendlich ist es unser aller Aufgabe, solche Chancen schnell und engagiert zu ergreifen, auch wenn dies zeitliche und finanzielle Aufwendungen von jedem einzelnen verlangt. Wir müssen uns Gehör verschaffen, und wenn Medien unser Thema aufgreifen, dann sollten wir engagiert und offensiv dranbleiben und nicht lockerlassen.

Let‘s Legalize It !

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Marc und Jodie Emery – Was passiert in Kanada?

Vielen wird die Geschichte sicherlich schon bekannt sein: Marc Emery ist ein kanadischer Legalisierungsaktivist und Headshopbesitzer, der über eine lange Zeit sehr erfolgreich Hanfsamen per Post in die ganze Welt und natürlich auch in die USA verkauft hat. Mit einem Teil der Gewinne finanzierte er damals Legalisierungsgruppen in ganz Nordamerika, und machte sich dadurch bei US-Behörden ziemlich unbeliebt. Da er jedoch kanadischer Staatsbürger ist, die Staatsgrenze nie übertreten hatte, und die kanadischen Behörden den Handel mit Hanfsamen offen tolerierten, sah es lange so aus als sei er mit diesem Konzept völlig sicher. Und dementsprechend rechnete niemand mit dem, was dann kam.

Am 29.Juli 2005 wurden in Vancouver der Buchladen von Marc, sowie das Hauptquartier der BC Marijuana Party von der kanadischen Polizei gestürmt. Gleichzeitig wurde Marc auf einem Hanffest in Nova Scotia zwecks Auslieferung in die USA festgenommen. Alles auf Anfrage der US Drug Enforcement Agency,  die ganz offen und freimütig zugab, dass das Auslieferungsersuchen durchaus auch mit Marc´s politischem Engagement zusammenhing.

Hundreds of thousands of dollars of Emery’s illicit profits are known to have been channeled to marijuana legalization groups active in the United States and Canada. Drug legalization lobbyists now have one less pot of money to rely on.

Marc und seine Frau Jodie wehrten sich zunächst mit allen juristischen und politischen Mitteln gegen die Auslieferung, da aber zunächst auch 2 von Marcs engsten Mitarbeitern mit den gleichen Vorwürfen konfrontiert wurden (der Vorwurf lautete tatsächlich auf gewerbsmäßigen Handel mit Marihuana), einigte sich Marc auf einen Deal mit der DEA. Er verzichtete auf weitere Rechtsmittel und plädierte auf schuldig, dafür wurden die Vorwürfe gegen seine Mitarbeiter fallen gelassen, darunter die schwer kranke und mittlerweile leider verstorbene Cannabispatientin Michelle Rainey. 5 Jahre amerikanisches Gefängnis ohne Zugang zu medizinischem Cannabis wären für sie noch viel schwieriger zu ertragen gewesen, als für Marc selbst.

Man kann schwer ermessen, welche persönlichen Dramen sich damals abgespielt haben. Aber auch öffentlich wurde die Sache in Kanada sehr stark thematisiert, schließlich ist es schon an sich eine Besonderheit, dass ein kanadischer Staatsbürger in die USA ausgeliefert und dort vor Gericht gestellt wird, obwohl er all seine Straftaten auf kanadischem Boden begangen hatte. Die Wut war also groß, vor allem in der Hanfszene. Während seiner Wartezeit in Kanada, gab es ein permanentes Protestcamp vor dem Auslieferungsgefängnis, und sogar im weit entfernten Berlin gab es eine Demonstration für die Freilassung von Marc Emery. (Video)

Nach Marcs Auslieferung übernahm seine Frau Jodie das Geschäft, und begann gleichzeitig einen wöchentlichen Video-Blog. Dieser beschreibt auf seriöse und doch oftmals emotional tiefgreifende Art, die Entwicklungen rund um ihren inhaftierten Ehemann und die Legalisierungs-Szene ganz allgemein. Dank der starken Unterstützung von allen möglichen Menschen, kann Jodie relativ häufig zu ihm in die USA fahren, und Marc schafft es sogar aus dem Gefängnis per Post einen Internet-Blog zu betreiben! Das enorme persönliche Engagement, und die tiefe emotionale Bindung zum Thema Cannabislegalisierung hat mich selbst oft sehr beeindruckt. Besonders deutlich wurde letzteres für mich bei der Jodie-Emery-Show kurz nach den Erfolgen von Colorado und Washington. Es ist einfach unglaublich wie lange Sie und wir alle auf diesen Moment warten mussten; und wer dieses Video sieht erkennt erst richtig, welchen enormen Fortschritt der 6.11.2012 für unsere Welt bedeutet hat:

Nun wurde vor kurzem unter der neu gewählten, konservativen Regierung in Kanada die Cannabis-Gesetzgebung deutlich verschärft, vor allem durch die Einführung von Mindeststrafen ähnlich wie in Deutschland. Es ist also weiterhin viel Druck nötig, um die positiven Entwicklungen vorranzutreiben, und die negativen zu bekämpfen.  Wir alle müssen uns daran beteiligen, die Prohibition ist ein weltweites Problem und wir dürfen nicht stillstehen, bis alle Menschen auf der Welt frei von dieser Form der persönlichen Unterdrückung leben!

Marc Emery bereitet derzeit seine Kampagne für eine vorzeitige Rückführung nach Kanada vor. Kanadische Gefängnisse sind nicht nur besser für die Gesundheit als US-amerikanische, sondern vor allem wäre es für Jodie leichter ihren Ehemann regelmäßig zu besuchen, wenn sie dafür keine 2000 Meilen zurücklegen müsste. Allerdings müssen für eine Verlegung die US-Behörden zustimmen, und es erscheint momentan doch fraglich, ob sie soviel Menschlichkeit zeigen werden.

Als Europäer fällt eine direkte Beteiligung an der Kampagne schwer, aber jeder ist aufgerufen Marc mit persönlichen Briefen und Geldspenden zu unterstützen. Informationen dazu findet ihr hier. Im Gefängnis ist es nicht schön und Marc freut sich immer über englisch- oder spanischsprachige Briefe, besonders über kleine Geschichten zu politischen Entwicklungen und Legalisierungs-Protesten in Europa. Ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere von euch sich die Mühe macht.

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